Ferien im Lastwagen

WOHNMOBIL ⋅ «Glamping», also Camping mit einem gewissen Glamour-Faktor, liegt im Trend. Die vielleicht extremste Variante ist dieser umgebaute Mercedes Actros.
31. März 2017, 05:17
Thomas Geiger

Thomas Geiger

Als Kind hat er keine Folge von «Auf Achse» verpasst. Jetzt ist Michael Ebner selbst eine Art Trucker – aber in anderer Mission: Sein Mercedes Actros ist kein gewöhnlicher Fernlaster, sondern das vielleicht vornehmste Wohnmobil, das man kaufen kann. Denn für 680000 Euro wird der 16-Tonner zur Luxus-Suite für die Langstrecke, der allen Komfort eines Fünf-Sterne-Hotels bietet – Wellness-Dusche, Doppelbett und Sterne-Küche inklusive.

Geboren ist das Konzept eigentlich aus der Not heraus. Denn erstens ist Ebner leidenschaftlicher Camper, seit seine Eltern ihn im Wohnwagen durch ganz Europa kutschiert haben. Und zweitens ist er als Eigentümer einer Software-Firma so oft auf Dienstreisen, dass er partout keine fremden Betten mehr sehen mag und in den Ferien lieber in den eigenen vier Wänden schläft. Und weil er nach zehn Jahren in den teuersten Wohnwagen noch immer nicht zufrieden war, hat er sich sein Traumhaus auf Rädern einfach selbst gebaut.

Mercedes Actros als Basisfahrzeug

Wo andere sich dabei eines Fiat Ducato oder eines Ford Transit bedienen, hat Ebner dafür den Mercedes Actros als Basis genommen. Denn so konnte er sich hinter der Gigaspace-Kabine auf mehr als zehn Metern Länge eine geräumige Suite bauen. Und ganz nebenbei ist es einfach ein gutes Gefühl, einen Sechszylinder von 12,8 Litern Hubraum, 421 PS und 2100 Nm zu beherrschen, sagt der Magellano-Chef.

Besser als in den 30 Quadratmetern seines Magellanos wohnt er in keinem Hotel: Die Federung nivelliert den Laster automatisch und binnen 30 Sekunden fahren wie elektrische Erker die riesigen Slide-Outs aus den Seitenwänden. Es gibt eine grosse Sitzecke vor der komplett mit Backofen, Spülmaschine und Kühl-Gefrier-Kombination eingerichteten Küche, im Heck hat er ein grosses Doppelbett, vor dem auf Knopfdruck ein riesiger Fernseher aus der Verkleidung fährt. Das Bad mit der verglasten und in vier Farben beleuchtbaren Dusche kann man ohne Platzangst benutzen, und für den Job hat er natürlich einen LTE-Router eingebaut, der den Magellano zum mobilen Office macht. Selbst ein Fitnessstudio ist an Bord, sagt Ebner.

Ein Jahr lang haben Ebner und seine Frau Stefanie geplant und gemeinsam mit Handwerkern aus der Region geschraubt, gesägt und geschweisst, bis die Familie in dem nach dem portugiesischen Seefahrer und Weltentdecker benannten Magellano auf Jungfernfahrt gehen konnte. Das ist jetzt ein gutes Jahr und schon mehr als 12000 Kilometer her, und wo Ebner auftaucht, ist ihm die Neugierde sicher. Zwar sind sie auf den besseren Campingplätzen solche XXL-Wohnmobile gewohnt, sagt der Firmenchef. Doch manchmal komme er sich schon so vor, als fahre er im Rolls-Royce bei McDrive vor. «Bei vier Metern Aufbau­höhe sieht der Nachbar mit etwas Pech den ganzen Tag keine Sonne mehr», sagt Ebner. Gut, dass er im Kellergeschoss seines Luxuslasters einen halben Biergarten samt Grillstation, Grossbild-Leinwand und Fussballfanbeleuchtung herumfährt und seine Nachbarn wenigstens mit Bundesliga-Partys versöhnlich stimmen kann.

Zwar hat Ebner den Magellano zunächst aus purem Eigennutz entwickelt. Doch schnell war ihm klar, dass es für solche Fahrzeuge durchaus einen Markt gibt. Denn «Glamping», also Camping mit einem gewissen Glamour-Faktor, liegt voll im Trend. Deshalb hat der IT-Unternehmer daheim in der Rhön ein paar Millionen in die Hand genommen, eine Halle gebaut, zwei Mitarbeiter eingestellt, Verträge mit Schreinern, Installateuren und Elektrikern geschlossen und eine Firma aus dem Boden gestampft. Jetzt individualisiert er den Magellano je nach Gusto. Die Planung dauert oft bis zu einem Jahr. Danach braucht das Magellano-Team noch einmal sechs bis acht Monate für den Umbau des Fahrzeugs.

Das Interesse sei riesig, sagt Ebner: Die ersten Bestellungen sind unter Dach und Fach und die nächsten werden gerade intensiv verhandelt. Allerdings tritt der Unternehmer dabei von selbst auf die Bremse, weil ihm die persönliche Beratung wichtig ist und weil er bei aller Arbeit noch Zeit haben will. Schliesslich träumt er davon, den Magellano über den Atlantik zu schiffen und dann ein paar Wochen durch Amerika zu fahren. Mehr als vier bis sechs Fahrzeuge im Jahr will er deshalb nicht bauen.


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