St.Gallen: 26. November 2008, 06:07

Lachen-Quartier kämpft für umstrittene Krügerstrasse

Der Namensgeber der Krügerstrasse wird mit Rassismus in Verbindung gebracht. Der Quartierverein Lachen möchte aber am Namen festhalten. 

ST. GALLEN. Der Stadtrat möchte die Krügerstrasse umbenennen, da deren Namensgeber Paul Krüger als Apartheid-Wegbereiter gilt. Der Quartierverein Lachen wehrt sich mit einem Brief an den Stadtrat gegen die Namensänderung.

Ralf Streule

Im Oktober entschied der Stadtrat aufgrund einer eigentlichen Strassen-Rochade, die umstrittene Krügerstrasse (Kasten) in Dürrenmatt-Strasse umzutaufen (Ausgabe vom 11. Oktober). Gegen diesen stadträtlichen Entscheid hat sich im Quartier Lachen bald Widerstand angekündigt. Im Vorstand habe man den Eindruck erhalten, dass die Quartierbewohner keine Namensänderung wünschen, sagt Quartiervereinspräsident Pius Jud.

Anfang November hat der Vorstand darum einen Brief an den Stadtrat geschrieben: Es geht dabei um einen Antrag «auf Rückkommen zum Entscheid zur Umbenennung der Krügerstrasse». Die Argumente, die der Quartierverein im Brief auflistet, sind auch im Quartierblatt vom November abgedruckt.

«Krüger ist Geschichte»

Darin heisst es zum Beispiel: «Die Krügerstrasse gibt es seit bald 100 Jahren, kaum einer weiss noch, wer Krüger war und was er vertrat. Krüger ist Geschichte und wenn seine <Heldentaten> aus heutiger Sicht alles andere als solche waren, so ist die Krügerstrasse zumindest als mahnendes Beispiel zu belassen.»

Weiter wird im Brief auch auf die Kosten einer Namensänderung hingewiesen. Zudem würden für die Anwohner der Krügerstrasse unnötige Umtriebe entstehen.

«Wir sind nicht gegen Dürrenmatt und wir sind auch keine Rassisten», stellt Pius Jud klar. Eine Strassen-Umbenennung könne aber Rassismus nicht vergessen machen, findet er. Er befürworte die Idee, den Namen beizubehalten und dafür bei der Strasse eine Tafel aufzuhängen, die Krüger negativ als Vorkämpfer für Apartheid beschreibe. Dies war vor einigen Monaten schon von der SP-Stadtparlamentarierin Lisa Etter-Steinlin gefordert worden.

Nur kleine Chance

Der Entscheid, die Strasse umzubenennen, ist endgültig. Der Rückkommensantrag des Quartiervereins sei im Stadtrat noch nicht behandelt worden, sagt Stadtschreiber Manfred Linke. Die Chance, dass dieser seinen Entscheid zurücknimmt, sei aber klein. «Ausser der Stadtrat beurteilt die Argumente des Quartiervereins als sehr gewichtig.»





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2 Kommentare Beitrag kommentieren
von walter.lendi
26.11.2008 07:19 Uhr

Krügerstrasse

Politik führt immer öfter die Brille und Feder des Historikers. Wurde die so überlieferte "Reichskristallnacht" (die Bezeichnung stammt von den Nazis selber und erinnert deswegen auch an diese) per Beschluss in "Reichspogromnacht" umgezimmert, so soll nun im Kleinen in St.Gallen auch "Krüger" fallen. Natürlich war es damals auch die Politik, welche den heldenhaft gegen die Engländer kämpfenden Buren mit der Krügerstrasse ein Denkmal setzen wollte. Mit Apartheid hatte dies damals jedoch nichts zu tun, warum sollte es dies heute?

von mercator
18.02.2009 10:11 Uhr

...endlich werden die wahren Probleme angepackt.....

Rund 80 Anwohner der Krügerstrasse dürfen nun ihre Adresse ändern. So als ob sie gezügelt hätten. Wie kommt eine Behörde nur auf eine solche Idee, den Bürgern nebst den Steuern nun auch noch unnütze Beschäftigung abzuverlangen. Glaubt denn der Stadtrat, die Anwohner müssten sich mit dem Strassennamen identifizieren ? Da möchte ich - weiss Gott - nicht an der Meienbergstrasse wohnen !


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