«Zusammen mit einer Freundin wartete ich in St. Margrethen auf den Schnellzug um 16.29 Richtung Rorschach», erzählt Alice Freiburghaus aus Romanshorn am Telefon. Zuvorderst am Perron eins tummelten sich ein halbes Dutzend etwa zehnjährige Buben. Einer sei über die Schienen und zurück einem Schnellball nachgerannt, obwohl die Einfahrt des Zuges über Lautsprecher schon angekündigt gewesen sei sei. Ob der einfahrende Zug schon zu sehen war, weiss die Augenzeugin nicht: «Ich schaute atem- und sprachlos nach dem Buben und befürchtete das Schlimmste. Möglich sei, dass die Buben das gefährliche Spiel aus eine Art Mutprobe verstanden haben.
Aus dem Schreck heraus habe sie zu einer Schimpftirade in Richtung der Buben angesetzt, sei von diesen aber verlacht und frech gefragt worden, ob sie vielleicht den Namen des Springers wissen und der Polizei melden wolle. «Wo waren die Eltern dieser Kinder?», fragt sich Alice Freiburghaus. Und sie erwähnt auch kritisch, dass von den SBB zwar zwei Angestellte am Schalter arbeiteten, aber niemand am Perron gestanden habe.
«Ich habe viele Jahre in Bahnhöfen gewohnt und zweimal erlebt, wie Leute unter den Zug geraten sind» erklärt die Alice Freiburghaus, die als Tochter eines Bahnhof-Vorstands aufgewachsen ist. «Damals, als es diese noch gab, und als noch jemand bei Ankunft und Abfahrt der Züge am Perron stand und aufpasste.»
Daniele Pallecchi von der Pressestelle der SBB verweist auf Anfrage darauf, dass «jedes Kind» wisse, dass das Überschreiten der Schienen lebensgefährlich und darum verboten ist. So steht es auch (mehrsprachig und mit gut verständlichem Piktogramm) auf grossen Tafeln zwischen den Perrons, so weiss es jeder, und jedes Kind bekomme das mit, meist bevor es lesen kann. Es sei nicht zuletzt auch Sache der Eltern, dass Kinder nicht am Bahnhof spielen. Die Bahn könne nicht rund um die Uhr an allen 800 Bahnhöfen die Perrons überwachen. Doch hätte die Bahnpolizei, wenn sie denn zugegen gewesen wäre, die Möglichkeit gehabt, die fehlbaren Kinder bzw. deren Eltern zu büssen.
Eine Verbesserung der Sicherheit an den Perrons sei in den letzten Jahren erzielt worden, indem weisse und leicht erhöhte Linien zu mehr Abstand mahnen. Trotzdem komme es vor, dass Eilige über die Schienen statt durch die Unterführung hasten. Trotz allem, sagt Daniele Pallecchi, seien Unfälle aufgrund von unerlaubten Gleisquerungen «zum Glück sehr selten»; vor allem, wenn man bedenke, dass an den 800 Haltestellen schweizweit täglich 9000 Züge verkehren.
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