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Tagblatt Online, 09. November 2010 01:03:57

Generation Handy

Zoom

Das Handy sowie die Nutzung des Internets sind für Schweizer Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren wichtiger als das Treffen von Freunden.

Michael Hasler

Es war kein Akt der Willkür, die ersten Studienergebnisse zum Medienverhalten der Schweizer Jugendlichen an der «Worlddidact Basel» bekanntzugeben. Denn, längst beklagen nicht nur die Eltern, sondern auch die Pädagogen des Landes das Medienverhalten ihrer Zöglinge. Während vieles bisher dem weiten Feld der Spekulationen angehörte, bringt die erste schweizweit angelegte James-Studie (Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz) Klarheit in die unendlichen Weiten des medialen Universums.

Über 1000 Jugendliche wurden in der vom Telekommunikationsunternehmen Swisscom mitfinanzierten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften anonymisiert zu ihrem Freizeit- und Medienverhalten befragt – darunter Jugendliche aus Wattwil und St. Gallen. Wichtigstes Fazit: Nonmediales und mediales Freizeitverhalten sind den Schweizer Jugendlichen ähnlich wichtig.

Und doch: Mehr als 90 Prozent der Schweizer Jugendlichen dieser Altersspanne nutzen täglich oder mehrmals pro Woche ihr Handy.

Während Stunden im Internet

98 Prozent aller Studienteilnehmenden besitzen ein Handy. Neun von zehn der Befragten benutzen täglich oder mehrmals pro Woche das Internet, wobei 95 Prozent zu Hause einen Internetzugang haben. Drei Viertel der Jugendlichen besitzen einen eigenen Computer oder ein eigenes Notebook.

Die Jugendlichen nutzen dabei das Internet an Wochentagen durchschnittlich zwei Stunden, an Wochenendtagen rund drei Stunden. In der Wichtigkeit der Freizeitbeschäftigung schafft es das physische Treffen von Freunden – in etwa gleich auf mit dem Anhören von MP3 – auf Rang drei der Aktivitätenliste.

Studienleiter Daniel Süss verzichtete anlässlich seiner rund 90minütigen Präsentation bewusst darauf, diese ersten Ergebnisse zu interpretieren. «Uns ging es darum, erste verlässliche Zahlen zu finden.

In einer zweiten Phase geht es nun darum, dieses Material zu interpretieren und die richtigen Massnahmen zu treffen», hält Süss fest. Das Zahlenmaterial der Studie konterkariert immer wieder den eigenen Erfahrungshorizont. So beziffern immerhin 80 Prozent der jungen Männer, dass Sporttreiben ihre zweitliebste nonmediale Freizeitbeschäftigung sei. Bei den jungen Frauen sind es nur etwas mehr als die Hälfte.

Bereits auf Rang vier des nichtmedialen Freizeitrankings folgt bei den Jugendlichen – Geschlechter unabhängig – der Wunsch nach dem Nichtstun (neudeutsch: Chillen). Eine weitere Überraschung liefert die Studie, in dem sie belegt, dass das klassische Fernsehen nicht mehr zu den beliebtesten medialen Tätigkeiten der Jugendlichen zählt.

Zwar schauen immer noch rund drei Viertel der Befragten regelmässig Fernsehsendungen, allerdings immer seltener auf dem TV-Gerät. Die rasche Abwanderung zum TV-Konsum via Internetbrowser ist unübersehbar. Trost für die Printmedien: Fast jeder zweite Jugendliche liest noch immer eine Tageszeitung, wobei nicht erfasst ist, welchen Anteil Gratiszeitungen oder Pendlerzeitungen ausmachen. Nur zwei von hundert Jugendlichen besuchen regelmässig das Kino.

40 Prozent der Befragten schauen sich stattdessen täglich oder mehrmals wöchentlich Videos via Internet an oder laden Filme auf ihre Festplatte.

Surfen für die Schule

Der spannendste Teil der bisher veröffentlichten James-Studienergebnisse umfasst die Nutzung des Internets. Immerhin zwei Drittel der Jugendlichen nutzen den Computer und das Internet zu Hause zum Lernen oder zum Lösen von Hausarbeiten. 84 Prozent aller Jugendlichen sind bei mindestens einem sozialen Netzwerk wie Facebook registriert.

Im Bereich der Informationsbeschaffung hat das Web 2.0 (Facebook, Twitter etc.) Suchmaschinen wie Google bereits knapp den Rang abgelaufen. Nur jeder fünfte Jugendliche nutzt Nachrichtenportale von Zeitungen. Wikipedia ist die drittwichtigste Informationsquelle für Jugendliche.

Versöhnliches und Beängstigendes zum Schluss: Aktivitäten mit der eigenen Familie sind für Jugendliche deutlich wichtiger als der Besuch von Parties oder von Discotheken. Fast jeder vierte Jugendliche liest täglich oder mehrmals wöchentlich in einem Buch.

Acht Prozent der Befragten gaben an, dass im Internet schon Beleidigendes über sie verbreitet wurde. Besonders hart trifft die Studie die Kirche: Nur 2 Prozent der jungen Frauen und 3 Prozent der jungen Männer beschäftigen sich täglich oder mehrmals pro Woche mit ihr.





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