Tagblatt Online, 30. Oktober 2010 09:54:00
Beni sucht Jung-Benis
Beni Thurnheer kümmert sich um seine Nachfolge. In der Casting-Show «Einer wie Beni» sucht er junge Kommentatoren, die ihre Worte wie Traumflanken ins Spiel bringen.
Bruno Knellwolf
Es ist der Bubentraum vieler: Fussballreporter. Ein Beruf im Atem der Stars, in den grössten Stadien der Welt, live dabei beim historischen Torschuss, welcher die Fussballweltmeisterschaft entscheidet.
Das alles schon erlebt hat Beni Thurnheer, die Schweizer Ikone helvetischen Sportreportertums. Als «Schnurri der Nation» hat man den Seuzacher schon betitelt, was seine Qualitäten als Sportreporter allerdings in ein falsches Licht stellt.
Denn mag Thurnheer auch einer sein, der im Bus auf der Fahrt ins Stadion oder beim Morgenkaffee immer viel zu erzählen weiss. Während der Reportage eines Fussballmatches ist er der Meister der Pausen, der, im Unterschied zu seinem Nachfolger Sascha Ruefer, die Fussballer auch einfach mal spielen lässt. Um dann im entscheidenden Moment das Richtige zu sagen: Bonmots wie gelungene Direktabnahmen beim Torschuss. Der gelernte Jurist ist gut belesen und brilliert mit Sachkenntnis.
Ein eigenes Globi-Buch
Sein Mundwerkzeug hat dem Fernsehmann eine eigene Samstagskiste am Schweizer Fernsehen eingebracht, die sozusagen seinen Namen trägt. Und noch mehr der Ehre: seine Figur ist Grundlage des Buchs «Globi der Sportreporter», in dem Beni am Schluss dem pfiffigen Globi ein Interview gewährt. «Beni, wie kamst du zum Fernsehen?», fragt Globi. «Ich wurde bei einem Nachwuchs-Sportreporter-Test entdeckt», antwortet Beni.
Das war 1973. Nun veranstaltet Beni Thurnheer selbst einen solchen Test in seiner Casting-Show «Einer wie Beni», für die sich hoffnungsvolle Jung-Benis jetzt anmelden können. Das macht Beni allerdings nicht auf seinem Heimsender SF sondern auf dem privaten Schweizer Sport Fernsehen SSF. Ein Schelm, wer denkt, Beni mache sich Sorgen um den Nachwuchs angesichts seines Nachfolgers in der SF-Reporterkabine. Die Qualität der Matchberichterstattung auf dem Privatsender unterbietet jene auf SF noch bei weitem.
Meistens versuchen sich auf SSF zwei Kommentatoren als Reporter-Duo. Ein Spiel zu zweit zu kommentieren, sei schwieriger als alleine, hat Thurnheer dazu im «Blick» gesagt. Manchmal habe er das Gefühl, der Match störe die Kommentatoren bloss beim Geschichten erzählen.
Strenger Juror
Der 61jährige Thurnheer wird somit ein kritischer Juror sein, wenn die Castings für die Sendung am 4. Dezember im Rahmen des Super-League-Spiels Basel gegen Young Boys beginnen.
Der erste Teil der siebenteiligen Casting-Show wird dann am 6. Februar 2010 ausgestrahlt. Bis zum letzten Dienstag sind bereits über 700 Bewerbungen eingereicht worden.
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