Tagblatt Online, 13. Dezember 2010 17:51:00
Polizisten reingewaschen
Hat er, oder hat er nicht? Der Prozess drehte sich auch um den Einsatz von Pfefferspray durch einen Polizisten. (Bild: Bild: Keystone)
NYON. Das Bezirksgericht hat fünf Polizisten freigesprochen. Ihnen war vorgeworfen worden, sie hätten Falschaussagen gemacht. Ein 16-Jähriger hatte einem der Polizisten vorgeworfen, ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht zu haben.
«Das Gericht glaubt nicht an einen Komplott der Polizei», sagte Gerichtspräsident Pierre Bruttin als er den Freispruch verkündete. Damit folgte das Gericht der Verteidigung, die ebenfalls einen Freispruch gefordert hatte. Hingegen hatte der Staatsanwalt eine Strafe von 40 Tagessätze zwischen 80 und 100 Franken auf Bewährung verlangt.
Die vermeintliche Tat ereignete sich in der Neujahrsnacht 2006. Damals war ein 16-jähriger Mann aus Eritrea in Lausanne von der Polizei angehalten worden. Dabei beschimpfte dieser die Polizisten, worauf sie den jungen Mann in ihr Auto verfrachteten. Bis dahin waren sich allen Beteiligten einig über den Verlauf der Geschichte.
Von da an gingen die Versionen jedoch diametral auseinander. Der Minderjährige beschuldigte die Polizisten, ihn mitten in der Nacht auf der Strasse abgesetzt zu haben. Zudem habe ihm einer von ihnen Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.
Die Polizeibeamten hingegen sagten aus, sie hätten den jungen Mann ein Stück mitgenommen und ihn bei einer Bushaltestelle abgesetzt. Den Einsatz von Pfefferspray bestritten sie.
Der Polizist mit dem Pfefferspray hatte sich bereits früher in dieser Sache verantworten müssen. Ein Lausanner Gericht hatte ihn jedoch aufgrund der Zeugenaussage seiner Kollegen freigesprochen.
Eine ehemalige Polizeiangestellte aber beschuldigte die Männer in einem Brief an die Behörden, sie hätten das Fehlverhalten mit einer abgesprochenen Aussage vertuschen wollen. Sie bezog sich dabei auf ein vertrauliches Gespräch mit einem der damals beteiligten Polizisten. (sda)
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