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Tagblatt Online, 07. September 2010 01:01:09

Hitchcocks fehlender Bauchnabel

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Schock-Effekt: Alfred Hitchcock zeigte seinen glatten Bauch gerne her. (Bild: Bild: pd)

David Lynch seziert gerne Hühner, Alfred Hitchcock schockierte seine Crew gerne mit seinem zugenähten Bauchnabel. Ein Buch versammelt die Marotten der grossen Regisseure.

Roger Berhalter

Dass sich Woody Allen gerne fürchtet, ist bekannt. Aber dass er seine Frühstücksbanane jeden Morgen in exakt sieben Teile schneidet, bevor er sie isst, dürften die wenigsten wissen. Oder dass auch Steven Spielberg neurotisch ist: Der Gute hat Angst vor Möbeln mit Füssen. Ähnlich kurios die Phobie von Alfred Hitchcock: Er hatte Angst vor Eiern.

Walt Disney ist skrupellos

Fast alle grossen Filmemacher benehmen sich offensichtlich merkwürdig, sobald die Kamera aus ist. Die Lektüre von «Die grossen Filmregisseure und ihre Geheimnisse» zeigt eine Fülle von Anekdoten, Skandalen und Kuriositäten. Nachdem der Zürcher Verlag Walde+Graf im vergangenen Frühling schon die «Grossen Künstler» und ihre Marotten versammelte, sind in der zweiten Runde nun die Filmemacher dran. Und so erscheint sogar Walt Disney, der «gute Onkel» unter den Regisseuren, in neuem Licht.

Der Comic-Unternehmer war ein miserabler Zeichner, schrubbte sich krankhaft oft die Hände, und er schikanierte seine Zeichner so lange, bis sie davonliefen.

Babynamen für Sci-Fi-Fans

Alfred Hitchcock kannte als Kind fast alle Fahrpläne von Englands Zuglinien auswendig, und als Erwachsener entwickelte er eine Vorliebe für grausame Streiche. Einmal liess er seine Tochter zuoberst auf dem Riesenrad in der Luft hängen.

Und seine Filmcrew schockierte er gerne, indem er das Hemd hob und seinen seltsam glatten Bauch zeigte (der Nabel war ihm nach einer Magenoperation zugenäht worden).

All diese Anekdoten hat der amerikanische Autor Robert Schnakenberg recherchiert. Auch er pflegt seltsame Vorlieben: So hat er kürzlich ein Buch mit Rezepten für «Alte-Männer-Drinks» veröffentlicht, eine «Untergrund-Baseball-Enzyklopädie» oder einen Babynamen-Ratgeber für Science-Fiction-Fans («Sci-Fi Baby Names»).

Seine Filmemacher-Anekdoten hat Grafikdesigner Mario Zucca aus Pittsburgh mit Karikaturen ergänzt.

George Lucas rast

Entstanden ist ein zugängliches und frech illustriertes Werk, eine Fundgrube voller Geschichten für den nächsten Stehparty-Smalltalk. Oder hätten Sie gewusst, dass «Star Wars»-Regisseur George Lucas gerne Luftwaffen-Offizier geworden wäre, aber wegen zu vieler Geschwindigkeitsbussen abgelehnt wurde? Eben.

Robert Schnakenberg: Die grossen Filmregisseure und ihre Geheimnisse, Walde+Graf, Zürich, 2010, Fr. 32.–




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