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Tagblatt Online, 10. September 2010 01:03:18

Fluchen mit Fricker

Zoom

Aus den Achtzigerjahren: H. R. Fricker nutzt den Umschlagplatz. (Bild: Bild: pd)

H.R. Fricker zeigt, wo Visionen in Marken stecken. So kommt Walenstadt zu einer Ausstellung kongenialer Persönlichkeiten: Fricker mit Bickel.

Ursula Badrutt Schoch

«Darf ich dir meine Markensammlung zeigen?» Nichts ist so verheissungsvoll, nichts ist so abgedroschen wie dieses Angebot. Wenn H. R. Fricker es äussert, geht es um mehr als blosse Anmache. Hinter dem Satz steht ein Werk. Ein Lebenswerk.

Viel ist nicht zu sehen, wenn man das Museum Bickel in Walenstadt betritt. Der Konzeptkünstler aus Trogen verzichtet auf ausufernde Rauminstallationen in der 400 m2 grossen Halle der ehemaligen Zettelei.

Einzige Farbakzente sind einige Email-Tafeln; sie können gut auch E-Mail-Tafeln heissen: Schilder mit Charakter und ein Block «Place of Places», für wenig Geld zu haben und hinauszutragen.

Visionen in Markenarchitektur

Zentral im Raum steht eine weisse Skulptur. Aus den bestehenden Stellwänden hat H. R. Fricker eine dreidimensionale Marke gebaut. Die Perforierungen sind begehbare Gänge, die Marken sind Kammern, an den Wänden hängen Marken.

Ohne vorgegebene Chronologie taucht man ein, fischt im Trüben – und findet viel. Etwa PANAMA. Das Wort steht für «postanarchische Mailart». Dazu gehört die Einladung zu künstlerischen Umtrieben auf dem Land von 1982, gespickt mit Witz und Schalk und dem Bild des quer liegenden nackten Künstlers. «Auf der Suche nach Edelweiss zu Tode gestürzt», behauptet die Legende. Die Rettungskolonne vom Säntis steht bereit. Auch das sind Aktivitäten auf dem Land.

Geschickt kombiniert mit Marken von Künstler Karl Bickel (1886–1982), die in visionärer Manier Landschaft und Technik verbinden, werden in den neun Kojen Nähen der beiden Künstler sichtbar. Wie Bickel hat auch Fricker in vielem vorgegriffen; beide haben nicht nur Lob bekommen. Da passt auch der Bogen mit den Fluchwörtern von Arsehole über Bitch bis Fricker.

Es sind keine offiziellen Helden, denen Fricker seine Marken widmet und die er mit subversiven Mitteilungen seit dreissig Jahren in die Welt verschickt. Es sind der Anarchist, die Zornige, der Grübler. «Das bin auch ich», sagt der Künstler.

Zur Kur mit Kunst

Zu den Parallelitäten zwischen Fricker und Bickel im Schaffen kommen biographische Überschneidungen. Eine Tuberkulose zwang Karl Bickel zu einer Kur in Walenstadtberg. So entstand hoch oben das Paxmal. Nun ist H. R.

Fricker zur Rehabilitation in der Klinik am Berg gezwungen; und mit etwas Glück in der Ausstellung in Walenstadt anzutreffen. Dann zeigt er seine und Bickels Marken persönlich.

Bis 19. Sept., Fr 17–20, Sa/So 14– 17 Uhr; Museum Bickel, Zettlereistr. 9, Walenstadt; Matinee: So 12. Sept. 11.15 Uhr mit H. R. Fricker, Stefan M. Seidel, Hubert Matt, Ueli Schenk




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