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Tagblatt Online, 15. April 2009 01:01:31

Es ist ein (Game-)Boy

Zoom

Der Gameboy darf sich dieses Jahr eine Zwei aufs Display schreiben. 1989 brachte Nintendo die tragbare Spielkonsole auf den Markt – heute ist sie Kult.

Sebastian Keller

Der schnauzbärtige Super Mario und der fässerwerfende Dokey Kong, Weggefährten der Jugend von gestern und heute, haben viele Spielkonsolen kommen und gehen sehen. So auch den Gameboy, der dieses Jahr zwanzig Kerzen ausblasen darf. Ein historischer Geburtstag – «Bild.de» titelte: «20 Jahre Zocken für die Hosentasche.»

Tetris mit Stereo-Sound

Im Jahr 1989 brachte die japanische Firma Nintendo den Gameboy mit dem Spiel Tetris auf den Markt. Es war die erste tragbare Spielkonsole mit «austauschbaren Spielmodulen». Bis heute wurde die portable Spielkonsole und seine Nachfolgemodelle weltweit über 120 Millionen Mal verkauft. Auch im Duden ist der Gameboy vertreten, was für Sprachwissenschafter wahrscheinlich interessanter ist als für Freunde von Super Mario. Eine weitere kulturelle Referenz gefällig? Eine deutsche Punkband widmete dem Gameboy und seinen Benutzern in den 90er-Jahren ein eigenes Lied. Der Gameboy und seine simplen Ein-Spiel-Vorläufer prägten die Kindheit der heute 30-Jährigen.

Elektronische Wegbereiter

Einer, der sich intensiv mit in die Jahre gekommenen Spielkonsolen beschäftigt, ist Patrick Weiss. Er betreibt eine der grössten deutschsprachigen Webseiten zum Thema Game & Watch (Kasten). «Die tragbare Spielkonsole mit LCD-Display war zu dieser Zeit eine technische Innovation», sagt der Internetspezialist. «Heute sind sie zu Recht Kultobjekte.» Game & Watch-Konsolen gelten als Vorläufer des Gameboys oder als Wegbereiter, wenn man so will. Viele Spiele – darunter auch Super Mario und Dokey Kong – erlangten ihre Beliebtheit auf den kleinen Game & Watch-Kästchen.

Leidenschaftlicher Sammler

Weiss sammelt die Konsolen aus den Achtzigerjahren leidenschaftlich wie Super Mario die Punkte. Obwohl im 21. Jahrhundert die Grafik- und Spielmöglichkeiten von damals fast archaisch anmuten, spielt Weiss die hochaufgelösten Spiele von heute nicht. Lieber lässt er sich von den alten Spielen in seine Jugendzeit katapultieren: «Ich liebe die Einfachheit und das nostalgische Erlebnis.» Weiss, der im aargauischen Frick lebt, sieht in der grossen Entwicklung der Spielkonsolen über die letzten Jahrzehnte interessante Aspekte. Die reine Spielkonsole gebe es gegenwärtig kaum mehr. «Heute sind die Spiele nur noch eine Handy-Funktion von vielen, Unterhaltung und Kommunikation verschmelzen.» Und auch die Spielerstruktur hat sich verändert: Waren es zu Beginn vor allem Jugendliche, die sich die Finger wunddrückten, sind es heute Leute aller Couleur. Ein Rundblick im Zug oder Bus bestätigt dies.

Auch auf der neusten Konsole Nintendo DS jagt Mario Punkte. Und er wird wohl noch viele Konsolen überleben. Weiss wünscht «Alles Gute zum Geburtstag!» Über eine Neuauflage der Konsolen-Urgesteine würde wohl nicht nur er sich freuen.





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