Tagblatt Online, 07. September 2010 07:05:00
Ein schlechter Witz
Das waren noch Frisuren: Axl Rose (Mitte) und seine Guns N'Roses auf einer Aufnahme aus früheren Tagen. (Bild: Bild: pd)
Guns N'Roses spielen heute in Zürich – oder besser gesagt das Phantom einer Band, die zu den grössten Rockgruppen der vergangenen zwanzig Jahre zählt. Während die einen Fans aus Nostalgiegründen ans Konzert pilgern, verzichten andere aus demselben Grund darauf.
David Gadze
Der 16. Juni 1993. Ein kleiner Tag für die Menschheit, der bis dahin grösste Tag für mich, einen damals 13jährigen Halbstarken. Auf meiner noch grösstenteils vom Zufall bestimmten Entdeckungsreise durch die Musikwelt war ich ein knappes Jahr zuvor an einer Band hängengeblieben, die mein Leben auf den Kopf stellte: Guns N'Roses. An jenem 16. Juni spielten meine Helden in Basel.
Das Konzert bedeutete mir die Welt (ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an meinen Bruder, der mich ans Konzert begleitete). Die Erinnerung daran ist bis heute lebhaft und so wertvoll wie damals.
Nun kommt die Band – oder das, was von ihr noch übrig ist, nämlich die nur noch eine Gun namens (Axl) Rose – nach Zürich. Diesmal bleibe ich der Show fern.
Aber auch, weil mich Sänger Axl Rose nicht mehr dort trifft, wo er mich damals getroffen hat: mitten ins Herz.
Mit Drogen von Tag zu Tag
Zu der Zeit waren Guns N'Roses nicht nur für mich die Grössten. Ihr 1987 erschienenes Début «Appetite For Destruction» hat bis heute, immerhin 23 Jahre nach seiner Veröffentlichung, nichts von seiner Kraft und seiner Faszination eingebüsst.
Es ist ein dahingerotztes Meisterwerk aus wildem Rock, dreckigem Punk und tollwütigem Blues, getragen von Axl Roses manischem Gesang und Slashs kolossalen Soli und unterlegt mit Izzy Stradlins Rhythmusgitarre und dem grossartigen Bass-Schlagzeug-Duo Duff McKagan und Steven Adler.
Fesselnd, kompromisslos, sexy. Das Statement einer Band, die sich mit Drogen und Alkohol von Tag zu Tag rettete. Es klang wie das Letzte, das diese fünf kaputten Jungs in ihrem Leben machen würden.
Als ich es entdeckte, überrollte es mich wie eine Dampfwalze.
Der innere Zerfall
Als vier Jahre und eine halbe Scheibe später die beiden «Use Your Illusion»-Alben veröffentlicht wurden, hatten Guns N'Roses den Globus längst erobert. Die Fans campierten vor den Plattenläden, es kam zu Schlägereien – so etwas ist heute, wo jede neue Scheibe bereits Tage oder Wochen vor dem offiziellen Release im Internet zu haben ist, undenkbar. Guns N'Roses waren in jenem Moment die wichtigste Band der Welt.
Doch der innere Zerfall hatte schon damals eingesetzt, Steven Adler war 1990 aus der Band geworfen worden. Axl Roses egozentrische Eskapaden nahmen immer bizarrere Formen an, seine Respektlosigkeiten gegenüber Fans – vor allem die dauernden Verspätungen bei Konzerten – sowie Crew- und Bandmitgliedern rieben die Gruppe von innen auf.
In den Folgejahren verliess einer nach dem anderen die Band oder wurde von Rose, der sich mittlerweile die alleinigen Rechte am Namen gesichert hatte, «entlassen», bis dieser als einziger der Urformation übrigblieb.
Seelenloses Etwas
Vor zwei Jahren hat es Axl Rose geschafft, die bis anhin letzte Platte unter dem Namen Guns N'Roses zu veröffentlichen. Mehr als zehn Jahre lang hatte er daran gearbeitet, hatte sie immer wieder angekündigt und verschoben.
«Chinese Democracy» wurde zum längsten Witz der Musikgeschichte – und ist alles andere als lustig. Es ist ein seelenloses, überladenes Etwas geworden, das es nicht verdient, den Namen dieser Gruppe zu tragen. «Once there was this rock 'n' roll band rollin' on the streets / Time went by and it became a joke», sang Axl Rose einst im Song «Pretty Tied Up». Heute ist er selbst ein Teil dieses Witzes, die besungene Band seine eigene.
Und während er mit seinen Knarren ins Leere schiesst, ist er die letzte Rose auf dem Grab jener so grossartigen Band, die Guns N'Roses einst waren. Eine längst verwelkte Rose.
Im Gegensatz zur Erinnerung an jenen 16. Juni, die immer noch in mir blüht und die ich mir bestimmt nicht durch Herrn Rose und seine zweitklassige Coverband kaputtmachen lasse. Deshalb bleibe ich diesem Konzert lieber fern.
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Kommentar lesen
Pfuesi (07. September 2010, 14:19)
Heute ist nicht Mittwoch!!!
Der grösste Witz dieses Beitrages ist der Verfasser!!!
Beitrag kommentierenDenn Guns N' Roses spielen nicht heute (wie im Titel angegeben), sondern wie im "Kleingedruckten" morgen Mittwoch!
Mit mehreren solchen schwerwiegenden Schreibfehlern sind sie vielleicht in 20 Jahren auch nicht mehr Mitglied des Tagblatt-Teams...
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