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Tagblatt Online, 06. September 2010 01:04:47

Dienstältester Ermittler

KOPF DES TAGES

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Matula – der Name ist Programm: Claus Theo Gärtner spielt den Detektiv seit beinahe dreissig Jahren. (Bild: Bild: ap/Joerg Sarbach)

Dienstältester Ermittler

Sobald er sich die Lederjacke anzieht, verwandelt sich Claus Theo Gärtner in Josef Matula. Seit 1981 und insgesamt in 282 Episoden spielt der gebürtige Berliner den rauhbeinigen Privatdetektiv in der Serie «Ein Fall für zwei». Damit ist Gärtner nun der dienstälteste Ermittler der Fernsehgeschichte im deutschsprachigen Raum, noch vor seinen ebenso altgedienten Kollegen wie ehemals Horst Tappert als «Derrick», Wilfried Klaus als Horst Schickl in «Soko 5113» oder Rolf Schimpf als Leo Kress in «Der Alte».

Eigentlich müsste die Sendung «Ein Fall für Matula» heissen. Denn der schlagfertige Detektiv hat sich vom anfänglichen Laufburschen für den Anwalt Dr. Renz, der zweiten Hauptfigur, zum eigentlichen Star der Serie gemausert. Kein Wunder, wird doch Matula schon seit je von Gärtner gespielt, während die Figur des Anwalts in derselben Zeit bereits von vier verschiedenen Schauspielern verkörpert wurde.

Gärtner auf die Rolle des Privatdetektivs Matula zu beschränken, würde dem 67-Jährigen allerdings nicht gerecht werden, auch wenn ihm die Figur auf den Leib geschneidert ist. So trat Gärtner in zahlreichen anderen Fernsehserien sowie in Theater- und Filmproduktionen auf. Der Sohn einer Ballettmeisterin und eines Kaufmanns wuchs im Ruhrgebiet auf, wo er schon früh erste Bühnenerfahrungen an einem Kindertheater sammelte.

Seine Jugend verbrachte er in Österreich, in den USA und Südostasien. Während des Studiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover debütierte er als Theaterschauspieler am Deutschen Theater Göttingen. In dieser Zeit war er auch politisch aktiv – als Mitglied des Sozialdemokratischen Studierendenverbandes Göttingen. Zu diesem kurzen Engagement während seiner Studienzeit meinte Gärtner einst: «Wir waren teilweise schon sehr verblendet.»

Nach dem Studium arbeitete er als Theaterschauspieler auf verschiedenen Bühnen. Dabei lebte er wochenlang aus dem Koffer: «Da konnte ich im Stehen Gras pflücken vom vielen Koffertragen.» Ab den 1970er-Jahren war er im Fernsehen präsent und erhielt gleich für seine erste Filmrolle im Thriller «Zoff» 1972 den deutschen Bundesfilmpreis. Bald etablierte er ein Image «als Typ für Krimis», spielte schon vor «Ein Fall für zwei» in verschiedenen Kriminalfilmen und Serien mit.

Neben der Schauspielerei sind Autos seine zweite grosse Leidenschaft. Seit den 1960er-Jahren fährt er Autorennen und ist Werksfahrer für Mercedes-Benz. Selbstredend, dass er die Autostunts in «seiner» Serie selber macht. Beinahe hätte er für eine Profi-Karriere im Rennsport sogar die Schauspielerei aufgegeben.

Der Schauspieler, der zurzeit in Winterthur lebt, reist zudem gerne. Zuletzt war er mit seiner jungen Frau, der Schweizerin Sarah Würgler, in Indien unterwegs. «Das ist mein Motor und Antrieb», sagt Gärtner.

«Im Grunde meines Herzens bin ich ein Weltenbummler.» Für die meisten wird er wohl trotzdem stets Matula sein, der etwas rauhe, aber herzensgute Privatdetektiv, der im Kampf für die Gerechtigkeit öfters eine blutige Nase in Kauf nimmt. (hae)





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