Tagblatt Online, 06. April 2010 01:01:00
Der Bücherfreak
Richi Küttel gestaltete das Programm des Sektors Buch an der Offa. (Bild: Bild: Urs Jaudas)
Der Bücherfreak
Lesen war schon früh seine Leidenschaft. Zum Ärger seiner Eltern. Denn Richi Küttel verschwand gerne mit einem Buch oder Heft – statt im familieneigenen Geschäft mitzuhelfen. Bereits im Alter von fünf Jahren hatte ihn seine Schwester in die Bibliothek mitgenommen – ein prägendes Erlebnis.
Die Affinität zum Buch, zum Schreiben und Texten ist ihm bis heute geblieben.
Richi Küttel hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er organisiert die Ostschweizerischen Autorenlesungen und ist erster Ansprechpartner in Sachen Poetry Slams. Er verfasst nicht nur eigene Texte, er führt – unter anderem – mit Lukas Hofstetter die St. Galler Poetry Slams durch und vermittelt Spoken-Word-Künstler. Er gibt Slam-Workshops an Schulen und gestaltete mit Hofstetter das St. Galler Literaturfest Wortlaut. Und er ist Herausgeber des Slam-Magazins «Nerv».
So erstaunt es kaum, dass auch sein aktuellstes Projekt mit Literatur zu tun hat: Küttel ist verantwortlich für das Programm des Buch-Sektors an der Offa.
Gelernt hatte er ursprünglich etwas ganz anderes: Er machte eine kaufmännische Lehre, arbeitete auf der Bank, bildete sich zum Organisator weiter. Diese Verbindung von Organisation und Kunst sei etwas, «das andere nicht haben». Und schliesslich auch dazu führte, dass er das Offa-Buch-Programm gestaltete.
«Ich habe es getroffen», sagt Küttel und nennt sich ganz unbescheiden eine «eierlegende Wollmilchsau».
Bei der Ausarbeitung des Buch-Programms beschlichen ihn manchmal dann doch Zweifel. «Ich wollte zwischendurch aufgeben», gesteht der 37-Jährige. «Ich lief am Anschlag. Es war eine intensive Zeit.»
Aufgewachsen ist Richi Küttel in Berneck, heute wohnt er mit seiner Frau in Trogen, sein Büro «Wirkpunkt Kulturmanagement» hat er in der Stadt St. Gallen.
Zum Treffen im Café erscheint er in einer schwarzen Lederjacke, sitzt entspannt im Stuhl und blinzelt in die Sonne. «Ein Literaturprogramm für die Offa zu gestalten war eine Herausforderung. Denn der grösste Teil des Publikums kommt nicht wegen den Büchern an die Messe.» Mit dem Resultat ist er zufrieden: «Das Programm ist allgemein verträglich und erfüllt dennoch gewisse Ansprüche.» Dass wenig bekannte Autorinnen und Autoren vorlesen, sieht er nicht als Nachteil. Küttel hat auch Franz Hohler und Martin Suter angefragt; sie waren nicht verfügbar.
Zudem sei das Ganze auch eine Frage des Budgets. Küttel ist überzeugt: «Die anderen Autoren sind genau so gut.»
Die Offa ist für ihn dann gelungen, wenn sich die Leute im Buchbereich vor der Bühne hinsetzen, wenn er das Publikum «abholen» kann. «Schlimm wäre, wenn die Besucher den Buchbereich nicht beachten und einfach daran vorbeilaufen.» Dass dies passieren wird, glaubt er aber nicht. Allein wegen der Kinder. Für ihre Unterhaltung sorgt Comic-Figur Globi – er soll die Kleinen anlocken.
Das Buch an der Offa sieht Küttel als Experiment. Sein Traum: «Den Sektor Buch an der Messe etablieren.» (ybu)
- Artikel empfehlen:









