Tagblatt Online, 23. Dezember 2008 01:01:54
…und alles zum Wohle der Firma
Tanzen – und dabei zeigen, was man gelten will: Thomas Buddenbrook (Mark Waschke) und Gerda Buddenbrook (Lea Bosco). (Bild: Bild: AP/Warner Bros.)
Die «Buddenbrooks» sind hochaktuell; ihr Aufstieg und Niedergang handelt von den Gesetzen des Kapitalismus. Nur verfängt sich Heinrich Breloer in seiner Verfilmung zu sehr in einer Familiensaga.
Rolf App
Im Vorfilm wird auf «Let's Make Money» hingewiesen, dann geht es gleich kapitalistisch weiter, wenn auch im mit enormem Aufwand – das Ganze kostete 16,2 Millionen Euro – rekonstruierten Gewand des 19. Jahrhunderts.
Ein Ball in Lübeck
In Lübeck trifft sich die bessere Gesellschaft zum Ball. Die Hagenströms sind da – Hermann, der Sohn (gespielt von Tedja van Huêt), und sein Vater Hinrich (Wolfgang Hinze). Die Buddenbrooks sind da – Konsul Jean (Armin Mueller-Stahl) und Konsulin Bethsy (Iris Berben), und ihre Kinder Thomas (Mark Waschke), Christian (August Diehl) und Antonie, genannt Tony (Jessica Schwarz).
Tony, die Umworbene
Schönheit und Jugend machen Tony zum Mittelpunkt; kein Wunder, dass Hermann Hageström um sie wirbt. Vergeblich. «Sie sind tüchtig, die Hageströms», sagt die Konsulin. «Ja, sie sind die Heraufkommenden», meint ihr Mann, von der Balustrade zuschauend. So stimmt Heinrich Breloers Verfilmung von Thomas Manns 1901 erschienenem epochalem Frühwerk «Buddenbrooks» das Grundthema an – Aufstieg und Niedergang einer Kaufmannsfamilie.
Dass die Unterhaltung beim Walzer stattfindet, ist kein Zufall. Auch später wird es immer wieder die Musik sein, die dem Film Farbe schenkt. Mehr noch, Musik ist eine Gegenwelt. Thomas' Frau Gerda (Léa Bosco) ist ihrer Violine verfallen, und auch sein Sohn Hanno (Raban Bieling) zeigt viel Neigung zur Kunst und keine Neigung zum Geschäft. Um dieses Geschäft aber geht es, nicht ums private Glück. Das erfährt als erste Tony, als sie Bendix Grünlich (Justus von Dohnányi) heiraten muss. Er wird für eine gute Partie gehalten, macht aber rasch Konkurs. «Die Firma verlangt es»: Der Satz wird immer wieder auftauchen, weitergegeben von Generation zu Generation.
Tony gibt nach und schlägt sich Morten Schwarzkopf (Alexander Fehling) aus dem Kopf. Auch Thomas muss Abschied nehmen vom Blumenmädchen (Maja Schöne). Und als Christian sich mit der Variétésängerin Aline Puvogel (Nina Proll) einlässt, handelt er sich die tiefe Verachtung der Familie ein – vor allem jene der Konsulin Bethsy, die nach dem Ableben ihres Gemahls für Zucht und Ordnung sorgt. Dass sie selber auch nicht aus lauter Liebe geheiratet hat, das wird rasch klar.
Enormer Aufwand
Das alles ist mit grosser Hingabe und enormen Aufwand entwickelt, zu dem auch ein interessantes Begleitbuch gehört. Die Schauspieler spielen hervorragend, allen voran Armin Mueller-Stahl, zwischen väterlicher Milde und geschäftlicher Strenge schwankend, und Jessica Schwarz, die mit ihrer Wärme und ihrem jugendlich-schönen Übermut dem Film viel von seiner Schwere nimmt.
Es ist viel, zu viel
Doch gegen das Schicksal kommt auch sie nicht an. Der Konsul stirbt, Thomas übernimmt die Firma, übernimmt sich, welkt dahin und stirbt. Dann stirbt auch noch Hanno, und die Familie fällt vollends auseinander.
Schon diese kurze, in keinster Weise vollständige Darlegung der Handlung zeigt: Es ist viel, was dem Kinobesucher abverlangt wird. Mag sein, dass die zweiteilige Fernsehfassung besser zu verkraften sein wird als dieser Spielfilm mit seinen unendlich vielen Dramen. Vor allem der zweiten Hälfte hätte eine Straffung sehr, sehr gut getan.
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