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Tagblatt Online, 16. April 2010 01:04:14

«Hoffentlich stimmt der Sound»

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«We want you!» Rocksänger Steve Lee freut sich auf viele St. Galler Fans. (Bild: Bild: Ralph Ribi)

Nach über zehn Jahren spielen Gotthard im Mai wieder in St. Gallen. Sänger Steve Lee war gestern in der Stadt auf Konzert-Werbetour. Eine Begegnung.

Roger Berhalter

Er ist 46, sieht aber locker zehn Jahre jünger aus. Langes braunes Haar, Lederjacke, Harley-Shirt, Leder am Handgelenk, spitzes Metall um den Hals, Jeans und weisse Turnschuhe. Steve Lee empfängt in der Lounge einer St. Galler Bar zum Interview und begrüsst den Journalisten wie einen alten Freund. Dieser muss an die Aussage eines erfahrenen Tontechnikers denken: «Nur wenige Diven schaffen es bis nach oben. Die meisten erfolgreichen Musiker sind unkompliziert.»

Steve Lee lehnt sich im Lederstuhl zurück, nimmt einen Schluck Wasser mit Zitrone und wartet mit neugierigem Blick auf die erste Frage. Nein, eine Diva würde das nicht tun.

Rocken in Russland

Dabei hätte Steve Lee allen Grund, eine Diva zu sein, denn er hat es – zumindest im Schweizer Hard Rock – mit seiner Band Gotthard bis ganz nach oben geschafft. Keine andere Schweizer Rockgruppe war und ist im eigenen Land so erfolgreich.

Seit 20 Jahren landet jedes neue Studioalbum regelmässig auf Platz 1 der Hitparade, ihre Tourneen führen die fünf Rocker um die ganze Welt, und sie waren die erste Rockband, die im Kreml spielen durfte. Die aktuelle Tour führt Gotthard im Mai zurück nach Russland. Ein Land, das bei Lee Erinnerungen weckt. Er erzählt von einem Auftritt in einem Stadion in St. Petersburg, das zur Hälfte mit Fans und zur Hälfte mit Militärs gefüllt war. Die linke Seite feierte, die rechte stand stramm. «Etwas vom Skurrilsten, was ich je erlebt habe.»

Hundert Konzerte im Jahr

Nach den Auftritten in Russland und Norwegen kehren Gotthard Ende Mai in die Schweiz zurück und spielen in St. Gallen, in der Sporthalle Kreuzbleiche. «Der Name klingt schon mal spannend», sagt Lee. «Hoffentlich stimmt in der Halle auch der Sound, die Akustik.»

War er denn schon einmal in der Stadt? «Vielleicht bin ich schon mal durchgefahren», sagt Lee und fügt entwaffnend ehrlich hinzu: «Bei hundert Konzerten im Jahr ist vieles kurzlebig. Manchmal weiss ich auf Tour kaum, in welcher Stadt ich mich gerade befinde.

» Immerhin habe er in der Ostschweiz einige Freundschaften geschlossen, sein Bruder habe lange in Horn gearbeitet.

Im eigenen Garten

Er selber ist im Tessin aufgewachsen. «Mit dem Latin-Groove», wie er sagt. Seine Mentalität empfinde er aber als deutschschweizerisch. Im Gespräch offenbart der Rockstar tatsächlich gutschweizerische Eigenschaften.

Das Streben nach (gleichbleibend hoher) Qualität zum Beispiel: «Bei Gotthard weiss man, was man bekommt.» Oder die Liebe zum eigenen Garten: «Da gibt es immer was zu tun.»

Ein bisschen von der mediterranen Lockerheit ist Steve Lee aber geblieben: «Wenn die Produktion einer Gotthard-Platte mal ein paar Monate länger dauert als geplant, ist das nicht so schlimm.» Oder zeigt sich hier am Ende doch noch die Diva?

Gotthard live: 28. Mai, 20 Uhr, Sporthalle Kreuzbleiche, St. Gallen




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