Tagblatt Online, 02. Dezember 2010 01:01:40
«Ein aufgeräumter Raum»
Daniel Hauser (l.) und Marc Frischknecht haben für das neue Junes-Album kräftig aufgeräumt. (Bild: Bild: Marco Zellweger/Kasma)
Das St. Galler Duo Junes macht melancholischen Indie-Pop und ist damit seit vier Jahren ziemlich erfolgreich. Heute taufen sie ihr drittes Werk in St. Gallen. Vorher stehen sie aber noch Red und Antwort und erklären, wie es ist, Vorbild zu sein, und was sie in ihrem musikalischen Kinderzimmer tun. David Gadze
Die erste Junes-Platte vor vier Jahren entstand in der gemeinsamen WG, die zweite noch teilweise. Mittlerweile wohnen Sie nicht mehr zusammen. Was hat das verändert?
Frischknecht: In den Bandproben entwickeln wir nur das Grundgerüst, danach bastelt jeder für sich weiter, und wir schicken uns das Material per E-Mail hin und her.
Hauser: Wenn wir jetzt zusammen proben, arbeiten wir viel fokussierter. Ich denke, das kommt auch der Musik zugute.
Junes ist bekannt für melancholische Texte und Musik. Sind Sie traurige Menschen?
Frischknecht: Man muss ja nicht betrübt sein, um solche Musik zu machen. Im Gegenteil: Wenn wir spielen, geht es uns gut. Ich sehe Melancholie nicht als etwas Trauriges, sondern als Kunstform, etwas, das die Leute auf positive Art berühren kann und ihnen vielleicht Hoffnung spendet.
Hauser: Die Musik als solche ist auf jeden Fall authentisch. Wenn wir merken, dass etwas künstlich wird, verwerfen wir es wieder.
Ihre neue Platte klingt viel elektronischer als die alten Werke. Woher kommt dieser Wandel?
Daniel Hauser: Das hat sich wie von selbst ergeben. Der grösste Unterschied war, dass wir diesmal viel mehr Zeit hatten. Wir konnten über ein halbes Jahr im Studio arbeiten und uns über mehrere Tage mit einem Song auseinandersetzen. So hat sich vieles im Studio entwickelt.
Wir haben einige Songs komplett über den Haufen geworfen und neu aufgebaut. Bei den ersten beiden Alben waren die Ideen grösstenteils schon vor der Aufnahme fertig.
Marc Frischknecht: Unser Wunsch war es, mehr rein instrumentale Passagen auf der Platte zu haben, sprich mehr Momente, in denen man sich einfach fallen lassen kann. Dadurch, dass wir so viel Zeit hatten, konnten wir viele neue Dinge ausprobieren und mit unterschiedlichen Sounds spielen.
Sie haben bereits früher bei Ihrem Nebenprojekt Hitchcook mit elektronischen Elementen und Hip-Hop-Einflüssen experimentiert. Wie weit sind Ideen daraus in den «neuen» Junes-Sound geflossen?
Hauser: Hitchcook ist so etwas wie unser musikalisches Kinderzimmer, in dem wir uns austoben können. Junes ist ein anderer, ein aufgeräumter Raum. Wir übernehmen eher technische Ideen als Songskizzen.
Was bedeutet Ihnen denn die Musik?
Hauser: Sie ist unsere Rückzugsmöglichkeit in eine eigene heile Welt. Deswegen machen wir das auch. Wir erzeugen ein Gefühl, das wir sonst nicht finden und ich auch nicht beschreiben kann.
Frischknecht: Die Musik ist unser Lebenslauf. Das, was uns ausmacht. Für mich ist sie mehr als nur Unterhaltung. Sie gibt etwas weiter – uns und hoffentlich auch den Hörern.
Wie definieren Sie Erfolg?
Hauser: Allein schon die fertige Platte in den Händen zu halten, einen Song im Radio zu hören oder einen Videoclip zu sehen ist ein Erfolg. Und wenn wir an Konzerten sehen, dass unsere Musik auch anderen Menschen etwas bedeutet, dann ist das der Lohn und ermöglicht uns – nicht zuletzt auch kommerziell –, auch weiterhin Musik zu machen.
Frischknecht: Junge Bands sagen uns, wir seien ihr Vorbild. Das ist vielleicht die schönste Bestätigung für unsere Arbeit.
Von aussen betrachtet scheinen Sie Erfolg zu haben. Ihre Songs werden im Radio gespielt, Sie werden sogar im Ausland wahrgenommen, und das Medienecho war bisher stets positiv. Dennoch mussten Sie die Platte ohne Label herausgeben. Gab es je einen Punkt, wo Sie die Band in Frage gestellt haben?
Frischknecht: Das Schwierigste an der Sache war, niemanden im Rücken zu haben, der einen in dem bekräftigt, was man tut. Man muss immer davon überzeugt sein, dass man etwas Gutes macht. Das Feedback kommt erst, wenn man das fertige Produkt in den Händen hat. Aber wir sind nun mal kein Mainstream-Act, sondern gehen unseren eigenen Weg, und zwar so, wie wir es für richtig halten.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:









