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Tagblatt Online, 01. Februar 2010 01:02:45

Das Herz im Wappen

KOPF DES TAGES

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Marian Eleganti: Der Abt von St. Otmarsberg in Uznach ist seit gestern Weihbischof der Diözese Chur. (Bild: Bild: ky/Ennio Leanza)

Das Herz im Wappen

Herzlich währt am längsten. Davon ist Marian Eleganti überzeugt und setzt als neuer Weihbischof von Chur ein Herz in sein Wappen. Der passende Wahlspruch dazu: «cor ad cor loquitur» (das Herz spricht zum Herzen). Gestern erhielt Marian Eleganti in der Kathedrale von Chur die Bischofsweihe, den Auftrag, mitzuwirken an der Leitung Diözese, die sich vom Engadin bis zum Zürcher Weinland erstreckt.

Beim Weihegottesdienst war er von zwölf Bischöfen und Äbten umgeben, genauso viel, wie Jesu Apostelschar zählte.

«Apostolischen Eifer», diesen sieht der Papst auch bei Marian Eleganti am Werk. «Daher scheinst Du geeignet zu sein, um der Churer Herde zu dienen und sie kräftig zu unterstützen», schreibt der Papst in der Ernennungsbulle.

Hauptsächliches Tätigkeitsgebiet werden die Kantone Zürich und Glarus sein. Zwei Stände mit selbstbewussten konfessionellen Behörden. Diese hatten zunächst aufbegehrt, weil sie beim Ernennungsverfahren nicht mit einbezogen wurden. Ihr Wunschkandidat war Josef Annen, der bereits als Generalvikar an der Limmat wirkt. Doch seit dieser im Amt bestätigt wurde, haben sich die Wogen geglättet.

Herzlichkeit als Programm. Der neue Weihbischof setzt auf den Ausgleich. Gestern sagte er im Weihegottesdienst: «Liebe! Jene starke Liebe, die im anderen, auch im Gegner so lange nach dem Freunde sucht, bis er es ist.»

Dennoch nimmt er auch klare Standpunkte ein, für das Zölibat, gegen das Priestertum der Frau, für die Minarett-Initiative, für den Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche, für den Ausgleich mit der Piusbruderschaft. Dies alles wirkt bei ihm allerdings nicht so plakativ, wie es in der Kurzfassung tönt.

Er argumentiert differenziert. Findet es darum unfair, in die fundamentalistische Ecke gedrängt zu werden. «Als Bischof vertrete ich den Glauben der Kirche und trag ihn in die moderne Welt, die ich nicht ablehne», sagt er im Gespräch mit dem Tagblatt. «Nennen Sie das, wie Sie wollen, In meinem Denken lebe ich auf der Höhe der Zeit und setze mich mit allen Fragen auseinander und dies mit dem Blick nach vorn.»

So überzeugt Marian Eleganti wirkt, so lange hat er nach seinem Weg gesucht. Mit zwölf kam er bereits an die Stiftsschule Einsiedeln, atmete benediktinische Luft, wurde Novize. Dann schloss er sich während 13 Jahren einer Laiengemeinschaft an, um schliesslich in den Orden zurückzukehren, diesmal bei den Missionsbenediktinern von St. Otmarsberg in Uznach.

Intellektuelle Erfahrungen sammelte er an der Universität Salzburg mit seiner Dissertation zum Wahrheitsbegriff; mitmenschliche kamen hinzu, als er am Spital Uznach als Hilfspfleger arbeitete.

Lebenserfahrung und Reife seien wichtig für einen Priester: «Entscheidend aber bleibt die Führung Gottes.» Diese erlebte er 1999 bei der Wahl zum Abt und nun bei der Ernennung zum Weihbischof, mit dem Sonderauftrag, die Herzen der Zürcher zu gewinnen. «Liebe, eine Klimaerwärmung des Heiligen Geistes», sagte er gestern.

Da dürfte wohl auch bald eine Einladung zum Sechseläuten eintreffen. (J. O.)





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