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Tagblatt Online, 26. September 2008 07:06:00

Die Nachwehen der Abstiegssaison

Bei der FC St. Gallen AG steht wegen der finanziellen Probleme eine Kapitalherabsetzung an

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Verwaltungsratspräsident Michael Hüppi zieht nach 100 Tagen Amtszeit Bilanz. (Bild: Bild: Hanspeter Schiess)

FUSSBALL. Seit 100 Tagen wird die FC St. Gallen AG von einem neuen Verwaltungsrat geführt. Nun haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz gezogen. Sie sehen sich zu ziemlich einschneidenden Schritten gezwungen.

Markus Scherrer

Da sassen sie also, Michael Hüppi, der Präsident des Verwaltungsrates der FC St. Gallen AG, und seine Kollegen Carl Christof Stürm, Dieter M. Schenk und Urs Lenz, und taten das, was normalerweise Politiker zu tun pflegen: Sie zogen nach 100 Tagen ihrer Amtszeit Bilanz. Sie legten ein erstes Mal, um es mit Hüppis Worten zu sagen, Rechenschaft ab. Und was die neue Führungscrew zu bilanzieren hatte, hörte sich alles andere als gut an. Die FC St. Gallen AG hat mit gravierenden finanziellen Problemen zu kämpfen. Oder wie Schenk sagte: «Die Situation ist ernst.»

1,5 Millionen Franken Verlust

Die Zahlen, die gestern von Finanzchef Lenz präsentiert wurden, lassen gar keine andere Bezeichnung als «ernst» zu. Denn im ersten Halbjahr 2008 schliesst die Rechnung mit einem Verlust von rund 1,5 Millionen Franken. Darin enthalten sind Abschreibungen in der Höhe von rund 825 000 Franken. Das Defizit habe unmittelbar mit dem Abstieg in die Challenge League zu tun, sagte Lenz. Es sind sozusagen die Nachwehen der Abstiegssaison. Die Vorgänger hatten im vergangenen Frühjahr alles versucht, um die Relegation zu verhindern. Und «alles» war in diesem Fall ziemlich teuer. Lenz sprach von doppelten Trainerkosten (Fringer, Balakov), von zusätzlichen Spielern (Schneider, Bratic), die man verpflichtet habe, und von unvorhergesehenen Ausgaben. Zu letzterem dürfen die Kosten für das Trainingslager vor den Barrage-Spielen gezählt werden, aber auch die Mehrwertsteuer-Revision, die für den Club ein schlechtes Ende nahm. Denn nachträglich wurde der Verkauf der Sitzplatz-Optionen noch der Mehrwertsteuer unterstellt. Diese zusätzlichen Aufwendungen gehen bis ins Jahr 2001 zurück. Die Rede ist von rund 250 000 Franken, «für die im Abschluss Rückstellungen getätigt werden mussten», wie Lenz sagte.

Dass der FC St. Gallen nach dem Abstieg nicht mehr an den Fernsehgeldern partizipiert, der Bezug der AFG Arena mit wesentlich höheren Infrastrukturkosten als erwartet verbunden war, hat die finanzielle Situation weiter verschlimmert. Die neue Führung sieht sich dazu gezwungen, mit einschneidenden Schritten eine Überschuldung der FC St. Gallen AG zu verhindern.

Bilanz muss saniert werden

So wird in Zukunft das Abschlussdatum des Geschäftsjahres auf die Mitte des Kalenderjahres gelegt. «Damit ist das Geschäftsjahr in Zukunft identisch mit der Saison, was zu einer Transparenz in den Büchern führt», sagte Hüppi. Im November soll die Generalversammlung (GV) stattfinden, an welcher der Abschluss per 30. Juni 2008, der nur die ersten sechs Monate dieses Jahres enthält, vorgelegt wird. An derselben GV wird der Verwaltungsrat eine Kapitalherabsetzung auf rund 500 000 Franken beantragen. Es ist die erste, kurzfristige Massnahme zur Bilanzsanierung. «Danach behalten wir uns vor, eine Kapitalerhöhung zu beantragen beziehungsweise durchzuführen», sagte Hüppi und fügte bei: «Wir müssen eine gesunde finanzielle Basis schaffen.»

Diese Massnahmen reichen aber nicht aus, um die finanziellen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Die FC St. Gallen AG hat auch beim Personal Einsparungen vorgenommen (siehe untenstehenden Artikel) und begibt sich nun auf die Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen. Die Verwaltungsräte werden als erstes die Donatorenvereinigungen des Clubs aufsuchen, ihr Programm präsentieren – und hoffen, dass sich dies im sprichwörtlichen Sinn auszahlt. «In dieser Situation ist ein Schulterschluss nötig», sagte Schenk.





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