Tagblatt Online, 10. Dezember 2008 01:01:12
Begräbnis eines Jumbo-Jets
Einen Jumbo-Jet zu vergraben ist unsinnig und kostet sehr viel Geld. Ein paar Zürcher wollen es trotzdem tun – mit (guten) Hintergedanken.
Katja Fischer
Wenn einer einen 70 Meter langen und 20 Tonnen schweren Jumbo-Jet vergraben will, dann ist er entweder ein militanter Luftverkehrsgegner, verrückt oder beides. Otmar Trost hat nichts gegen Flugzeuge und erfreut sich guter Gesundheit, trotzdem will er eine Boeing 747 kaufen und vergraben. Kostenpunkt: drei Millionen Franken. «Je nachdem, wo wir das Flugzeug vergraben», präzisiert Trost. Der 31jährige Zürcher ist mit seiner Idee nicht allein. Im Gegenteil: «Das Projekt soll der Startschuss einer weltumspannenden Kulturbewegung werden», erklärt er. Mit 2.50 Dollar pro Monat kann sich jeder beim Projekt «Bury the Jumbo» beteiligen. Auf der gleichnamigen Webseite können Spender über den Verlauf des Projekts diskutieren. Denn wann, wo und wie der Jumbo vergraben wird, ist noch nicht entschieden.
Gemeinsam zum Begräbnis
Weshalb ausgerechnet einen Jumbo-Jet? «Es musste etwas Grosses, Absurdes sein. Ein Projekt, das nur funktioniert, wenn viele Menschen sich daran beteiligen», antwortet Trost. Nur so könne die Vision der weltweiten Community, die ein gemeinsames Ziel verfolge, funktionieren. Was Otmar Trost nicht sagt: Einen Jumbo-Jet zu vergaben generiert sehr viel mehr Aufmerksamkeit als ein Spendenaufruf für die Dritte Welt. Den Vorwurf, die drei Millionen seien herausgeworfenes Geld, lässt Trost nicht gelten. «Wir vergraben nur vordergründig ein Flugzeug, eigentlich schaffen wie eine Plattform für Künstler», sagt er. Kunstschaffende, die sich für das Projekt engagieren, schaffen Bilder, Videos und Installationen, stellen diese auf die Webseite, wo sie dann von der ganzen Community und der Presse gesehen werden.
Transparenz und freier Wille
Eine Win-win-Situation, würden Wirtschaftsexperten sagen. Wirtschaft hat Otmar Trost auch studiert, bevor er zu Pinsel und Ölfarbe griff. Da verwundert es auch nicht mehr, dass es für «Bury the Jumbo» einen Businessplan gibt. In Zeiten kruder Geldgeschäfte ist es zudem klug, dass sich der Verein «die Transparenz» zum obersten Gebot gemacht hat. Sämtliche Spender, Einnahmen und Ausgaben werden publiziert, und allein die Mitglieder entscheiden, wie der Jumbo schliesslich vergraben werden soll.
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