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Tagblatt Online, 10. Juni 2012 00:00:00

Schweizer in Italien

Montalcino in der Toskana: Ein hübsches Dörfchen mit Festung. Zoom

Montalcino in der Toskana: Ein hübsches Dörfchen mit Festung. (Bild: Imago)

Die Toskana bietet eine grosse Weinvielfalt. Zu Weltruhm haben es der Brunello di Montalcino und der Chianti Classico geschafft. Weniger Prestige gebührt dem Vino Nobile di Montepulciano. Der Wein wird in der gleichnamigen idyllisch gelegenen Stadt produziert, die rund 120 Kilometer südöstlich von Florenz liegt.

Peter Keller

Die Toskana bietet eine grosse Weinvielfalt. Zu Weltruhm haben es der Brunello di Montalcino und der Chianti Classico geschafft. Weniger Prestige gebührt dem Vino Nobile di Montepulciano. Der Wein wird in der gleichnamigen idyllisch gelegenen Stadt produziert, die rund 120 Kilometer südöstlich von Florenz liegt. Wie der Name verrät, gelten die edlen Tropfen mit einer langen Vergangenheit auf jeden Fall als nobel. Schon der Kellermeister von Papst Paul III. lobte Mitte des 16. Jahrhunderts den Vino Nobile als einen «vollkommenen Wein».

Dem Reiz der Toskana sind bereits etliche Ausländer verfallen. Auch Schweizer pilgern gerne und oft nach Mittelitalien, entweder als Touristen oder, wenn etwas mehr Kleingeld vorhanden ist, als Investoren von Weingütern. Auch Weinfreunde aus Zürich fanden Gefallen daran und importierten in einer ersten Phase alljährlich ihren «Hauswein» aus Montepulciano.

Der Traum des eigenen Guts erfüllte sich Ende der achtziger Jahre. «In Montepulciano stand die Azienda Agricola Canneto zum Verkauf, eine einmalige Chance», erinnert sich der Treuhänder Marco Peduzzi. Er und sein Dutzend Mitstreiter verfolgen langfristige Pläne und investierten bis heute rund 1,5 Millionen Franken in den Betrieb und in ihr Hobby.

Die Gebäude wurden restauriert, ein neuer Weinkeller erstellt, neue Maschinen und Anlagen angeschafft, Rebstöcke und Olivenbäume gepflegt und erneuert, ein erfahrener Kellermeister verpflichtet. Das verdiente Geld wurde stets ins Gut investiert. Dividenden flossen keine, abgesehen von den Flaschen der eigenen Weine. Heute umfasst Canneto, das mit dem toskanischen Star-Önologen Carlo Ferrini als Berater zusammenarbeitet, eine Rebfläche von 30 Hektaren. Die jährliche Produktion beträgt rund 100?000 Flaschen, wovon 20?000 in der Schweiz verkauft werden.

Das Angebot umfasst sechs verschiedene Weine, vom Basiswein Rosso di Montepulciano bis zum prestigeträchtigen Filippone. Diese Cuvée aus Sangiovese und Merlot sowie der Vino Nobile di Montepulciano Riserva wissen besonders zu überzeugen (siehe Degustationsnotizen unten). Neuerdings wird auf Canneto zusätzlich ein eher einfacher Weisswein abgefüllt, der jedoch nicht ganz an die Qualitäten der Roten herankommt. Letztere sind aber eine spannende Entdeckung, zumal die Preise dank Direktvertrieb und vernünftiger Kalkulation stets human geblieben sind. Das ist nicht ganz selbstverständlich, denn gewisse Güter aus der Toskana haben es diesbezüglich in den letzten Jahren übertrieben. Die Quittung folgte prompt: Es war schon einfacher gewesen, Weine aus dem prestigeträchtigsten Anbau­gebiet Italiens zu vermarkten.




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