Tagblatt Online, 03. August 2012 09:47:25
Tea-Time
Was tun, wenn man keine Karten für die Olympischen Sommerspiele in London ergattern konnte, sich aber dennoch eine Prise authentische Stimmung in die Stube holen möchte? Ein britischer Snack zum Auftakt von Roger Federers Tennis-Match könnte die Lösung sein.
Anna Kaminsky
Was tun, wenn man keine Karten für die Olympischen Sommerspiele in London ergattern konnte, sich aber dennoch eine Prise authentische Stimmung in die Stube holen möchte? Ein britischer Snack zum Auftakt von Roger Federers Tennis-Match könnte die Lösung sein.
Was bei vielen Nasenrümpfen auslöst, ist auf der anderen Seite des Ärmelkanals gang und gäbe. England war kulinarisch als Land schon immer sehr speziell. Da wundert es wenig, dass zu einer warmen Mahlzeit Kartoffelchips als selbstverständliche Beilage serviert werden.
Eines muss man den Briten jedoch lassen: Ihre famose Tea-Time ist eine der schönsten nachmittäglichen Auszeiten, die man sich nehmen kann. Höchste Zeit also, die Lippen an eine feine Porzellantasse mit Rosendekor anzulegen und daraus den wohlschmeckenden schwarzen Tee mit etwas Milch und braunem Kandiszucker zu schlürfen. Dabei schickt es sich, gelegentlich von einer reich bestückten Etagere ein kleines, wahlweise salziges oder süsses Gebäck in den Mund zu führen. So kann die Partie beginnen.
Für eine stilvolle Kulisse beim Afternoon-Tea braucht es nicht viel: Ein Tisch und ein paar Klappstühle reichen vollkommen aus. Diese sind auf der Dachterrasse oder im Vorgarten rasch aufgestellt. Für nicht Ausgestattete bietet das Möbelhaus Pfister eine breite Auswahl an erschwinglichen Gartenmöbeln.
Ein feines Tischtuch aus weissem Leinen und Stoffservietten sind ein Must; sie finden sich bei Manufactum. Dazu macht sich ein Sammelsurium alten Porzellans aus dem Zürcher Brockiland oder vom Flohmarkt sehr gut. Wem dies zu zusammengewürfelt scheint, der kann sich vom erlesenen Porzellan-Sortiment bei Füglistaller in Basel inspirieren lassen. Dort werden sowohl Romantiker als auch Puristen fündig. Einen Bund Wiesenblumen auf den Tisch stellen, fertig ist die Tea-Time. Fast! Denn selbstredend darf eine Etagere als Bühne der Köstlichkeiten nicht fehlen. Diese ist klassischerweise dreistöckig: Zuunterst liegen kleine Sandwiches, in der Mitte die Scones und zuoberst süsse Kleinigkeiten zum Abschluss. Meister Silber in Zürich führt eine grosse Auswahl solch stilvoller Servierhilfen.
Und wie füllt sich diese Etagere? Hier weiss Tamara Hänggli Rat. Die Schweizerin hat vor ein paar Jahren die Liebe zur Teepause entdeckt. Ihre beiden Rezeptbücher «Tea Time» (Fona-Verlag) und «Let's bake» (Werd-Verlag) liefern eine ideenreiche Vielfalt britischer Köstlichkeiten für den Nachmittagstee.
Für 150 Franken kann man die Zubereitung einer stilechten Tea-Time bei Tamara Hänggli persönlich erlernen. Die letzten freien Kurse in diesem Jahr finden am 27. Oktober und am 15. Dezember im Atelier du Sucre de Miyuko statt, unweit des Zürcher Flughafens.
Wer gleich am Wochenende etwas Britisches zum Tee reichen möchte, kann dieses immer gelingende Scones-Rezept probieren. 500 g Mehl, 1 Päckchen Backpulver, 2 Esslöffel Zucker, 1 Prise Salz und 150 Gramm Butterflocken in einer Schüssel rasch zu lockeren Streuseln verkneten. 250 Gramm Naturjoghurt, 2 Esslöffel Rahm und 2 Eier verrühren und mit einem Löffel rasch unter die Streuselmasse arbeiten. Den recht feuchten und leicht klumpigen Teig (das muss so sein) mit etwas Mehl etwa vier Zentimeter dick ausrollen, mit einem Glas runde Taler ausstechen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech betten. Die Scones mit Tinktur aus 1 Eigelb und 2 Esslöffeln Rahm bestreichen. Bei 180 Grad auf mittlerer Schiene etwa 15 Minuten lang goldgelb backen. Die noch warmen Scones mit Clotted Cream (Doppelrahm eignet sich auch gut) und Erdbeerkonfitüre servieren. Wer sich vor dem Patisserie-Abenteuer erst einmal gediegen bedienen lassen möchte, wird im Café Les Gourmandes de Miyuko im Zürcher Kreis 6 garantiert nicht enttäuscht. Weit über die Zürcher Stadtgrenzen hinaus bekannt für sein reiches Tee-Sortiment ist im Übrigen das Kolonialwaren- und Kaffeehaus Schwarzenbach im Zürcher Niederdorf.
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