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Tagblatt Online, 03. August 2012 09:47:21

Edle Strohhüte aus dem Freiamt

Luftig verflochtenes Stroh aus Schweizer Produktion. Zoom

Luftig verflochtenes Stroh aus Schweizer Produktion. (Bild: PD)

Im aargauischen Freiamt werden heute wieder Strohhüte nach alter Manier in reiner Handarbeit gefertigt. Die Hutfabrik Risa aus Hägglingen knüpft an die einst blühende, heute fast vergessene Strohindustrie an.

Kim Dang

Strohhüte sind das Modeaccessoire für den sommerlichen Freizeitlook schlechthin – man findet sie mittlerweile in jedem gut sortierten Modegeschäft. Hoch im Kurs sind klassische Modelle wie Fedoras (ein klassischer Panamahut aus hellem Stroh) oder kecke Trilby-Modelle mit etwas kürzerer Krempe. Sie sind elegant und wirken durch das Material dennoch ungezwungen. Manche Strohhüte sind schon für rund fünfzig Franken erhältlich, etwa bei Herren- Globus. Dabei handelt es sich meist um in China hergestellte Ware; Strohhüte aus italienischer Produktion kosten bereits das Doppelte. Ein eher exklusives Produkt für Liebhaber hingegen sind die in der Schweiz handgefertigten Strohhüte der Freiamt-Kollektion aus der gleichnamigen Region im Kanton Aargau.

Lieferant der Modewelt

Entstanden ist die Freiamt-Kollektion auf Initiative des 26-jährigen Julian Huber. Mit seiner Mutter übernahm der gelernte Polymechaniker vor zweieinhalb Jahren die Firma Risa von seinem Onkel. Schon Hubers Grossvater, der die 1919 gegründete Firma in den vierziger Jahren mit einem Freund übernommen hatte, leitete das Unternehmen einst. Heute ist die Risa-Hutwerkstatt die letzte ihrer Art in der Schweiz.

Mit viel Engagement und Erfindergeist führt heute das Mutter-Sohn-Gespann das 21 Mitarbeiter umfassende Unternehmen weiter. Während sich Mutter Gabi Huber um historische Uniformhüte kümmert, meist Spezialaufträge, widmet sich Sohn Julian Produktion und Vertrieb von Filz-, Stoff- und Strohhüten. Die Freiamt-Kollektion ist sein neuestes Projekt. Hier sind neben der Firma Risa auch die Geflechtsbänder-Manufaktur Tressa aus dem benachbarten Villmergen sowie Hutmacher Kurt Wismer involviert. Dieser ist übrigens einer der letzten ausgebildeten Schweizer Hutmacher.

Diese Firmen und Akteure sind die letzten Zeugen einer einst blühenden Strohindustrie in der Region des nördlichen Freiamts. Dass das Städtchen Wohlen im 19. und frühen 20. Jahrhundert weltweit einer der bedeutendsten Standorte für Strohgeflechte war und als «Klein Paris» die internationale Modewelt belieferte, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Im Wohlener Strohmuseum kann man sich diese eindrucksvolle Geschichte der Freiamt-Region noch heute vergegenwärtigen. Hier fand auch Kurt Wismer Vorlagen und Inspirationen für das Knüpfen des «Röhrli-Hutes», eines von Hand geknüpften Cannotier-Hutes aus steifen Weizenstrohhalmen.

Einen ganzen Tag Arbeit benötigt das Herstellen eines solchen Hutes, etwa zwei Stunden allein für den Hutdeckel. Wismer ist wohl der Letzte, der diese Art, einen Hut zu knüpfen, noch beherrscht, und demonstriert sein Handwerk gelegentlich im Freilichtmuseum Ballenberg. Für das Freiamt-Prachtsstück, das mit der Zeit durch die Sonneneinstrahlung eine goldfarbene Nuance annimmt, muss man etwas mehr als 400 Franken aufbringen.

Etwas günstiger sind die weicheren Hüte der Linie genähter Geflechtsbänder. In Heimarbeit werden die Hüte mit viel Geduld und Geschick an einer altertümlichen Nähmaschine zusammengenäht, anschliessend bei der Risa in Form gepresst und mit Bändern und Garnituren versehen. Das Rohmaterial für die Hüte, Strangen von Weizenstrohbändern, wird aus Italien importiert. Zum Teil handelt es sich um handgeflochtene Restposten aus den goldenen Zeiten der Strohindustrie, doch es werden noch heute Stränge von Hand in der Umgebung von Florenz von Hand geflochten.

Elegant behütetes Haupt

Man darf gespannt sein, ob Julian Hubers Freiamt-Kollektion, ähnlich wie Kollege Rolf Hellats Marke Le Tom, bald den Sprung über die Landesgrenzen schafft. Für nächsten Sommer hat sich Huber ein paar modischere Kreationen ausgedacht, darunter ein Modell mit rostfarbenem Hahnentritt-Karo. Doch bei aller Kreativität bleibt für die innovativen Aargauer vor allem eines zu hoffen: dass der Trend zum elegant behüteten Haupt weiterhin anhält.

Die Hüte der Freiamt-Kollektion sind ab 165 Franken über den eigenen Webshop sowie in einigen Schweizer Modeboutiquen zu kaufen. Details: www.stroh-hut.ch .




Leser-Kommentare:
1 Beitrag

Kommentar lesen

Lissi (08. August 2012, 06:25)
Endlich!,

Endlich gibt es also wieder gute Strohhüte.für mich als absolute hutliebhaberin und Trägerin eine Super Nachricht.also muss ich nach den Ferien unbedingt bei Globus reinschauen.

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