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Tagblatt Online, 13. Juli 2012 08:30:10

Klaus Nomi (* 1944 Immenstadt, † 1983 NYC)

Klaus Nomi. Zoom

Klaus Nomi. (Bild: Ullstein)

Jürg Zbinden Klaus Sperber hiess er, wie der Greifvogel. Aber das breite Pop-Publikum lernte ihn unter dem Künstlernamen Klaus Nomi kennen. Wer einmal die rare Stimmlage des Countertenors vernommen hat, wird das Hörerlebnis kaum je vergessen.

Jürg Zbinden Klaus Sperber hiess er, wie der Greifvogel. Aber das breite Pop-Publikum lernte ihn unter dem Künstlernamen Klaus Nomi kennen. Wer einmal die rare Stimmlage des Countertenors vernommen hat, wird das Hörerlebnis kaum je vergessen. Nomi – ein Anagramm aus omni (lat. = jeder, alles) – wusste aber auch haargenau um die Wichtigkeit der Verpackung im Pop-Geschäft. Kostümiert wie ein Anhänger der Kubisten oder Suprematisten, das Gesicht kalkweiss geschminkt, die Lippen lackschwarz, schlug der Emigrant in New York ein wie eine Bombe, als sein Debütalbum «Klaus Nomi» 1982 auf den Markt kam: Die Kompositionen waren abenteuerlich bis gewagt, reichten sie doch von Henry Purcell («The Cold Song») bis zu Hank Ballard («The Twist»).

In den amerikanischen Metropolen lag New Wave schwer im Trend, in England stürmten die New Romantics die Charts, und das dominierende Instrument jener Ära war der Synthesizer. Da erzielte die metallische Falsettstimme Nomis die Wirkung eines Super-Amphetamins. Die Positionierung eines «klassischen» Countertenors im Kontext von Pop war revolutionär. «Disco is dead», lautete der lieblose Nachruf der achtziger auf die siebziger Jahre, jetzt waren plötzlich alle verrückt nach diesem das R rollenden Kunstgeschöpf, das an den Conférencier aus dem Film «Cabaret» (mit Liza Minelli) erinnerte. Dass er etwa Donna Summers Disco-Hymne «I Feel Love» neu interpretierte, wurde schlichtweg überhört. Auf der Bühne gebärdete sich Klaus Nomi ebenso retro wie futuristisch, als androgynes und schillerndes Wesen, halb Tintin, halb Marlene. Den legendären Dietrich-Titel «Falling In Love Again» bzw. «Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt» schnarrte er auf dem zweiten Studioalbum, «Simple Man», in unnachahmlicher Weise Beat für Beat herunter.

Einer, der früh auf Klaus Nomis ungewöhnliches Talent aufmerksam wurde, war übrigens eine Ikone unter Ikonen: David Bowie. Der britische Schwergewichtsmeister in Sachen Stil engagierte ihn 1979 als Backgroundsänger für einen Auftritt in der NBC-Show «Saturday Night Live». Ein Plattenvertrag war die Folge. Traurige Berühmtheit erlangte Klaus Nomi als erstes prominentes Aids-Opfer. Bereits gezeichnet von der tödlichen Krankheit, mutete er sich noch eine kleine Abschiedstournee durch seine alte Heimat zu. 1983 verstarb er im New Yorker Memorial Sloan-Kettering Cancer Center. Seine Asche wurde über der Grossstadt verstreut.




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