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Tagblatt Online, 15. Juni 2012 06:45:00

Mallorca luxuriös

Blick auf die Westküste Mallorcas, die durch die wildromantischen Gebirgszüge der Serra de Tramuntana geprägt ist. Zoom

Blick auf die Westküste Mallorcas, die durch die wildromantischen Gebirgszüge der Serra de Tramuntana geprägt ist. (Bild: Imago)

Mallorca will sich von seinem «Putzfrauen-Insel»-Image befreien und den Qualitätstourismus ausbauen. Die jüngste Eröffnung eines Luxus-Resorts der Hotel-Gruppe Jumeirah kommt da gerade recht.

Friedemann Bartu

Am zweiten Montag im Mai herrscht in Port de Sóller, an der Westküste Mallorcas, Hochbetrieb. Dann ist der ganze Ort auf den Beinen, um «Moros i Cristians» zu feiern, das Fest der «Mauren und Christen». Dabei werden im Hafen Überfälle von Sarazenen aus dem Jahre 1651 inszeniert. Ein Teil der Einwohner verkleidet sich als christliche Krieger, ein anderer tritt im Piraten-Outfit auf Schiffen zum Angriff an. Der nachgestellte Kampf endet stets mit der Niederlage der muslimischen Korsaren.

Neue Massstäbe setzen

Heuer entbehrte diese Fiesta nicht einer gewissen Ironie. Zur selben Zeit, als man im Hafen die Mauren vergangener Jahrhunderte besiegte, empfingen «Mauren» unserer Tage in ihrem neuen Luxushotel oberhalb von Port de Sóller die ersten Gäste. Die Rede ist von dem in Dubai ansässigen Jumeirah-Konzern, welcher im April 2012 auf Mallorca sein erstes Luxus-Resort des ganzen Mittelmeerraumes einweihte: das Jumeirah Port Sóller Hotel & Spa.

Das auf einer Fläche von 18 000 Quadratmetern errichtete Fünfsternehaus gleicht äusserlich einer Festung. Es thront in privilegierter Lage an einem Kliff hoch über dem Mittelmeer und erweckt den Eindruck, zwischen Himmel und Meer zu schweben. In seinem Rücken verläuft die Serra de Tramuntana, ein wildromantischer Gebirgszug, der mit unzähligen Wanderpfaden lockt.

Das Resort richtet sich an eine gutbetuchte Klientele. Wenngleich auf Mallorca bereits 34 Fünfsternehotels (nach offizieller, lokaler Klassifizierung) existierten, ehe Jumeirah das 35. Haus eröffnete, soll dieses Resort neue Massstäbe setzen. Die Gruppe aus Dubai weiss: Auf diesem Top-Niveau muss sie sich mit Mitbewerbern im ganzen mediterranen Raume messen. Deshalb versprach sie schon in der Bauphase, auf Mallorca das luxuriöseste Hotel ganz Spaniens zu errichten.

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(Bild: )

Touristisches Auslaufmodell

Tatsächlich ist das Gebäude vornehm und grosszügig zugleich, und entsprechend perfekt soll auch der Service werden. Romantiker mögen vielleicht beanstanden, dass die Innendekoration so gehalten ist, dass das Hotel auch in Paris, New York oder Dubai stehen könnte, dass die lokale Verwurzelung nur ansatzweise erkennbar ist. Immerhin kamen diverse balearische Künstler zum Zug, und für die Gestaltung der Anlage wurden mallorquinische Pflanzen und Steine benutzt.

Wegen seiner Hanglage umfasst das weitläufige Resort auffallend viele Stufen; und auch die Distanzen zwischen Pool und Hotelzimmer oder zwischen Lobby und Sonnenterrasse sind teilweise beträchtlich. Denn die 120 Zimmer und Suiten verteilen sich auf 11 separate Gebäude, welche durch Gartenwege und interne Korridore miteinander verbunden sind. Da das Hotel weder über einen Strand noch über einen Zugang zum Meer verfügt, dienen zwei Schwimmbecken als Ersatz.

Die Tatsache, dass Jumeirah ausgerechnet Port de Sóller für sein erstes Luxus-Resort im Mittelmeerraum wählte, hat aufhorchen und etliche Erklärungsversuche aufkommen lassen. So wird im Hafen gemunkelt, der Eigentümerin der Liegenschaft, der deutschen Deka-Immobilien AG, habe gedroht, auf dem Objekt sitzenzubleiben, weshalb Jumeirah fabulöse Bedingungen für sich habe aushandeln können. Diese erlaubten es den Emirati, ohne grossen Verlust die Segel zu streichen, falls sich die Wahl von Port de Sóller als Fehlentscheid erweisen sollte. Im Moment allerdings herrscht Zuversicht und Aufbruchstimmung im Hotel.

Auch viele mallorquinische Touristiker begrüssen die Ankunft von Jumeirah. Sie ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die vermehrt auf Qualitätstourismus setzen. Ihrer Ansicht nach tut eine solche Neuausrichtung not, wenn die Insel nicht zu einem touristischen Auslaufmodell verkommen soll. Sonne und Strand allein seien heute keine Garanten mehr für erfolgreiches Geschäften. Das gilt besonders für das Gebiet der Playa de Palma, den «Hausstrand» der mallorquinischen Kapitale. Dass sich dort kein einziges Luxushotel findet, spricht Bände. Dagegen wimmelt es von veralteten Herbergen, die zunehmend All-inclusive-Gäste – vorwiegend aus Deutschland – anlocken. Zwar lässt sich so die Hotelauslastung steigern, doch diese Kundschaft reist mit kleinem Budget. Deshalb sind die Pro-Kopf-Ausgaben an der Playa de Palma seit 1993 ständig gesunken. Dazu kommt, dass andere Bade-Destinationen, wie die Türkei, touristisch aufrüsteten und Mallorca nun erfolgreich konkurrenzieren.

Dass das Problem erkannt ist, zeigen die ehrgeizigen Modernisierungspläne, die geschmiedet werden. So sollen bis 2015 rund 300 Millionen Euro in die Hotellerie an der Playa de Palma fliessen, auf dass bis zum Jahr 2020 dort ein 20-prozentiger Anteil an Fünfsternehotels entstehe. Ähnlich tönt es in Magaluf, dem mehrheitlich von britischen Touristen frequentierten Billigstrand südwestlich von Palma. Die spanische Meliá Hotels International will dort sechs ihrer veralteten Häuser zu einem modernen Ferienresort nach kalifornischem Vorbild umbauen. Natürlich lassen sich solche Veränderungen nicht über Nacht erzielen, und erst recht nicht in einem garstigen wirtschaftlichen Umfeld wie dem derzeitigen. Spaniens akute Schuldenkrise ist auch auf Mallorca spürbar, wenngleich weniger stark als auf dem Festland.

Mehrmonatiger Winterschlaf

Dass die Krise auch eine Chance bietet, zeigt der jüngst von der deutschen Alltours-Gruppe getätigte Kauf des Luxushotels Eden Playa in Alcúdia. Dank diesem Erwerb besitzt Alltours nun sieben Ferienanlagen auf Mallorca. Parallel dazu hat auch das luxuriöse Marriott Son Antem Golf Resort and Spa nach einer intensiven, einjährigen Renovationsphase seine Tore wieder geöffnet.

Trotzdem bleiben die Herausforderungen gross – auch für das Jumeirah-Resort-Hotel. Um erfolgreich zu geschäften, müsste das Haus wohl ganzjährig geöffnet sein. Doch daran hapert es. Sind Sommer und Nachsaison erst einmal vorbei, verfällt Port de Sóller jeweils in einen mehrmonatigen Winterschlaf. Wie soll es Jumeirah dann gelingen, genügend Gäste anzuziehen? Das Management gibt sich zuversichtlich: Die klimatisch milden Wintermonate auf Mallorca seien bestens geeignet zum Wandern, Golfspielen und um sich im Spa verwöhnen zu lassen. Es gebe genügend gutsituierte Deutsche und Engländer, die im Winter für Aktivferien nach Mallorca kämen.

Ob diese Rechnung dereinst aufgeht, wird wohl auch von den Preisen abhängen, die das Haus im Winter verlangt – und davon, wie gut die Insel flugtechnisch erschlossen bleibt. Erfahrungsgemäss werden nämlich alle Charter- und viele Billigflüge im Winter eingestellt. Man kann also auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

www.jumeirah.com/de/Hotels-and-Resorts/Reiseziele/Mallorca/Jumeirah-Port-Soller-Hotel--Spa





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