Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 08. Juni 2012 00:00:00

Endstation Bahnhof Split

Peter Hummel An die Adria mit dem Zug? Macht man doch nicht mehr im Zeitalter der Billigflüge. Oder gar mit dem Schlafwagen? Gibt es doch gar keinen mehr. Stimmt. Mindestens nicht mehr nach Italien.

Peter Hummel An die Adria mit dem Zug? Macht man doch nicht mehr im Zeitalter der Billigflüge. Oder gar mit dem Schlafwagen? Gibt es doch gar keinen mehr. Stimmt. Mindestens nicht mehr nach Italien. Aber nach Kroatien gibt es ihn sehr wohl noch: und zwar den «Nachtsprung» von Zürich nach Zagreb und von dort weiter im Intercity nach Split. Mag der Schlafwagen der Kroatischen Bahnen, Hrvatske željeznice (HŽ), im Bahnhof Zürich äusserlich auch exotisch wirken, drinnen besticht dieser Kurs nach Belgrad durch eine topmoderne Einrichtung.

Perfekter Service

Zudem hält man gute alte Schlafwagen-Tradition hoch, verkörpert etwa durch den Zugchef Ante Orloviç. Mit über 30 Jahren Erfahrung ist er ein Mann alter Schule. Morgens serviert er galant den frischen Espresso. Und bis zur Ankunft in Zagreb findet er Zeit, Kroatien-Neulinge mit Tipps zu versorgen. Denn die Zeit bis zur Weiterfahrt reicht für eine Stadterkundung auf Schienen: Das Tram ist in der Innenstadt gratis, und den Ferrophilen lockt die historische «Uspinjača» in die Oberstadt, eine der kürzesten Standseilbahnen der Welt.

Dass das Zugsangebot zwischen der Kapitale Zagreb und Split, der zweitgrössten Stadt des Landes, begrenzt ist, hat wohl mit der Dauer dieser Bahnfahrt quer durch das Dinarische Gebirge zu tun. Acht Stunden benötigte die Likabahn für die 423 Kilometer lange Strecke. Seit HZ vor einigen Jahren deutsche Diesel-Neigezüge beschaffte, die nun als «Intercity Nagibni» (ICN) im Einsatz stehen, verkürzte sich die Reisezeit auf gut sechs Stunden. Zuvor musste aber die im Balkankrieg schwer beschädigte Strecke wieder aufgebaut werden.

Zoom


(Bild: )

Wie im Film

Imposant ist die Linienführung vor allem hinter Ostarije: Kehren, Tunnel und Viadukte wechseln sich laufend ab. Dieser zentrale Teil, von welchem die Bahn auch ihren Namen Lika erhalten hat, war schon 1866 unter österreichischer Ägide geplant worden; seine Fertigstellung erfolgte allerdings erst 1925. Etwa auf halber Strecke fährt man in der Nähe der Plitvicer Seen vorbei, die durch Winnetou-Filme bekannt wurden. Wie in einem alten Streifen fühlt man sich beim Passieren der Bahnhöfe, wo überall ein Vorstand mit roter Mütze stramm salutiert – auch wenn meist gar kein Personenzug mehr hält.

Nach gut vier Stunden nähert man sich auf rund 800 Meter der Scheitelhöhe. Die Berge erheben sich nur bis auf 1700 Meter über Meer. Trotzdem: Die Fahrt durch die karge, menschenleere Karstlandschaft ist beeindruckend. Fast wähnt man sich in einer Fjäll-Landschaft im hohen Norden – täte sich da nicht kurz hinter dem Kulminationspunkt ein faszinierender Panoramablick auf die Adriaküste mit den vielen vorgelagerten Inseln auf.

Unspektakulär ist die Ankunft im Bahnhof Split, der sich wegen des spärlichen Verkehrs sehr provinziell ausnimmt. Er steht ganz im Schatten des belebten Autobus-Terminals und des aktiven Fährhafens. Immerhin lässt eine Palme am Bahnhof darauf schliessen, dass wir das Mittelmeer erreicht haben.

www.kroatien.hr .




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...