Durch Nebel und Toggenburg

WANDERPARADIES ⋅ Wer Brückenkonstruktionen mag,wandere durch die Wälder und Täler zwischen Mogelsberg und Degersheim.
07. Dezember 2017, 05:00
Adrian Lemmenmeier

Die Wanderung im Überblick

Start: Mogelsberg
Ziel: Degersheim
Strecke: 10 Kilometer
Wanderzeit: 2 Stunden 50 Minuten 
Aufstieg: 415 Meter
Abstieg: 325 Meter
Ausrüstung: Gute Schuhe sind von Vorteil. Diese Wanderung ist nicht für Kinderwagen geeignet
Gaststätten: Gasthaus Rössli, Mogelsberg, Mi–So 09–24 Uhr, Montag und Dienstag  Ruhetag; Höfli-Pub, Degersheim, Mo–Do 16–00 Uhr, Fr-Sa 16-03 Uhr, So 16-22 Uhr.
Öffentlicher Verkehr: Nach Mogelsberg und Degersheim verkehren Züge von St.Gallen.
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25000, Blatt 1094 Degersheim
1 Mogelsberg Vom Bahnhof Mogelsberg führt die Strasse hoch zum Dorf. Unterwegs lädt ein aufwendig gestaltetes FC-St.-Gallen- Bänkli zum Verweilen. Aber wer braucht nach fünf Minuten schon eine Pause. Am Dorfplatz steht die Kirche, daneben das Gasthaus Rössli: Die Einrichtung ist gemütlich, die Bedienung freundlich, das Entrecôte vorzüglich. Für Techniknostalgiker gibt es imersten Stock ein von künstlichem Efeu umwuchertes Münztelefon. Vom Rössli führt der Sandbüelweg.

2 Unter den Wipfeln: Links vor uns liegt ein Wald. Einige Meter unter den Baumkronen zeichnet sich eine weisse Linie ab. Es ist der schneebedeckte Neckertaler Baumwipfelpad – ein hölzerner Steg, der teilweise 16 Meter über dem Boden zwischendenBaumkronenhindurchführt. «Die Eröffnung ist irgendwann im Mai», sagt eine Frau, die ihren Hund spazieren führt.«Aber Sie können ja einfach über die Absperrung klettern. Das hat mein Sohn auch schon gemacht.» Der Zugang zum Wipfelpfad ist verrammelt. «Zutritt strengstens verboten», steht auf einem Schild. Drüberklettern? Das würde ich nie machen. Oben auf den HolzlattendesBaumwipfelpfades liegen gutzwei Zentimeter Schnee. Spaziert man auf demkurvigen Holzgerüst umher, sieht man auf alle Hügel der Umgebung. Das habe ihr Sohn erzählt, sagt die Fraumit dem Hund. Eine Aussichtsplattform ragt über die steile Böschung einige Meter hinaus ins Nebelmeer – wie die Planke vom Piratenschiff.

3 Waldbach-Viadukt Weiter geht’s die Löffelbergstrasse hinunter in Richtung Degersheim, vorbei an einem Bauernhof mit Trampolin im Garten. Ein Jäger mit grasgrünem Faserpelz steht auf der Wiese, die Flinte hängt von seiner Schulter. «Füchse», sagt er auf die Frage, was denn gejagt werde. «Wir müssen sie schiessen, denn sie übertragen Krankheiten wie Räude oder Staupe.» Doch die Beute ist mager, nur ein Fuchs wurde erlegt. Er liegt auf dem Anhänger eines Autos, die Lefzen bis übers Zahnfleisch hochgezogen. Die übrigen Jäger kommen aus dem Wald. Sie tragen orange Jacken, damit sie bei der Treibjagd nicht aus Versehen getroffen werden. Es sieht aus, als kämen Müllmänner aus dem Unterholz. Ich gehe weiter in den Wald. Braunes Laub, grüne Ranken, nassschwarzes Holz. Stellenweise liegt Schnee. Die Novemberlandschaft gleicht einer Camouflagehose. Bei einer Kreuzung führt der Weg zurück auf die Landstrasse. Sie schlängelt sich durch die von Kuhtritten zersetzten Wiesen vorbei an Bauernhöfen. Das Toggenburg versinkt im Nebel. Kein Mensch weit und breit. Nur Scheunen und Scheiterbeigen. Nur die orange bemalten Holzpfähle leuchten an den Strassenrändern. Schliesslich geht es den Wald entlang auf einer rutschigen Wiese hinunter zum Kubelbach. Der Weg führt über eine kleine Brücke auf die Dickenstrasse. Einige hundert Meterweiter erblickt man den 38 Meter hohen Waldbach-Viadukt. Drüber rauscht der Zug, von einerWeide her blöken die Schafe. Weiter unten ist das Wirtshaus Waldbach. «Restaurant geschlossen», steht an der Tür. Seit Jahren schon.

4 Degersheim Gleich hinter dem Viadukt geht ein steiler Wanderweg hoch zur Bahnlinie. Das erste Mal wird es streng. Der Feldweg führt über eine Weide, folgt dann ein Stückweit dem Aachbach und macht einen Knick nach Norden. Die Kirchtürme von Degersheim sind bereits zu sehen. Noch einige Minuten und ich erreiche «Tegersche», wie man das Dorf hier nennt. Das «Höfli Pup» am Bahnhof bietet Kaffee und Gelegenheit, sich aufzuwärmen. Jede halbe Stunde fährt ein Zug nach St.Gallen.

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