Ratgeber

Sind Schuhkästen in Treppenhäusern erlaubt?

(Archiv LZ)
RECHT ⋅ Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen. Im Treppenhaus stehen Möbel, Kinderwagen oder Blumengestelle. Zwar sieht unsere Hausordnung keine Möbel im Treppenhaus vor, aber sie werden toleriert. Wer wäre im Schadenfall bei einem Brand haftbar?
11. April 2018, 11:08
Boris Camenzind

Bei der Frage der erlaubten Nutzung in einem Treppenhaus ist die rechtliche Sachlage klar, die Praxis in sehr vielen Treppenhäusern in der ganzen Schweiz sieht dagegen anders aus. Die rechtlichen Grundlagen für die Nutzung der Treppenhäuser sind in den Schweizerischen Brandschutzvorschriften festgehalten. Dort heisst es in der Richtlinie «Flucht- und Rettungswege» sinngemäss: Flucht- und Rettungswege sind jederzeit frei und sicher benützbar zu halten; Treppenhäuser dürfen keinen anderen Zwecken dienen.

Zahlreiche Vorschriften

Nebst der zwingenden Freihaltung des Fluchtwegs muss das Treppenhaus auch weitere Anforderungen erfüllen wie: Es muss ein eigener Brandabschnitt vorhanden sein, es darf keine brennbaren Oberflächen haben, die Fluchtwegbreite muss mindestens 1,20 Meter betragen.

Warum werden an ein Treppenhaus so hohe Sicherheitsanforderungen gestellt? Das Treppenhaus ist oftmals der einzige Fluchtweg aus dem Gebäude, es ist sozusagen die «Lebensversicherung» für die Bewohner. Und es ist immer auch ein Rettungsweg für die Einsatzkräfte (Sanität mit Bahre, Feuerwehrleute mit Atemschutz- und Löschgeräten).

Kein brennbares Material

Damit das Brandrisiko und damit verbunden eine Verrauchung des Treppenhauses möglichst klein ist, darf im Treppenhaus grundsätzlich kein brennbares Material aufgestellt und gelagert werden. Verboten sind beispielsweise brennbare Möbel, Altpapier, Adventskränze, Kerzen, Kinderwagen, Dekorationen, Mülleimer sowie grössere Pflanzen. Bodenbeläge wie zum Beispiel Teppiche müssen aus einem schwer brennbaren Material bestehen.

Was hingegen zulässig ist, sind an die Wand montierte nicht brennbare Schuhkästen (sofern die Durchgangsbreite von 1,20 Meter überall eingehalten ist), Fussmatten vor den Wohnungstüren sowie einzelne Bilder. Es ist aber klar festzuhalten, dass ein Treppenhaus kein Wohnraum ist und die Bewohner kein Recht haben, dieses nach eigenem Gutdünken zu dekorieren und einzurichten.

Richter müsste entscheiden

Sollte aufgrund von verbotenem Material im Treppenhaus eine Person z. B. bei einem Brandfall zu Schaden kommen, so wird ein Richter entscheiden müssen, ob im konkreten Fall ein strafbarer Tatbestand vorliegt und wer eventuell haftbar wäre.

Gemäss unserer Einschätzung könnte jedoch nur derjenige Bewohner zur Verantwortung gezogen werden, der die unerlaubten Gegenstände aufgestellt hat, sowie allenfalls die Verwaltung, die diese Gegenstände toleriert hat. Die Stockwerkeigentümergemeinschaft als Ganzes wird kaum haftbar gemacht werden können. Man sollte es jedoch nicht auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen. Denn die Sicherheit im Gebäude ist im Interesse aller Bewohner.

Boris Camenzind

Abteilungsleiter Prävention, Gebäudeversicherung Luzern, www. gvl.ch