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Riss in der Fassade: Wer kommt für den Schaden auf?

Zum dpa-Magazin-Bericht vom 8. Januar 2018: Erwischt ein Handwerker beim Bohren versehentlich eine Leitung, kann das größere Schäden zur Folge haben. Die gute Nachricht für Auftraggeber: Sie bleiben nicht auf den Kosten sitzen...(Archivbild vom 19.04.2016/Nur zur redaktionellen Verwendung durch dpa-Magazin-Bezieher.) Foto: Christin Klose/dpa-mag (KEYSTONE/DPA/Christin Klose) (CHRISTIN KLOSE (DPA-mag))
RECHT ⋅ Wir sind vor sechs Jahren in unser damals neu erstelltes Einfamilienhaus eingezogen. Kürzlich haben wir feine Risse in der Fassade bemerkt. Nun fragen wir uns, ob da Wasser eindringen kann. Sind solche Bauschäden durch die Gebäudeversicherung gedeckt? Oder können wir allenfalls auch den Bauunternehmer, der das Haus gebaut hat, für die Sanierungskosten belangen?
31. Januar 2018, 09:36
Alexander Paul

Haben die letzten Handwerker das Haus verlassen, ist die Freude über das Eigenheim oft so gross, dass die wichtigen, aber etwas mühsamen Pflichtpunkte häufig zu schnell abgehakt werden. Dazu gehört auch eine detaillierte und professionelle Bauabnahme.

Garantiefrist von fünf Jahren

Im Idealfall wird diese Bauabnahme gemäss SIA Norm 118 (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) vereinbart, sollte immer bei Tageslicht und am besten in Begleitung eines fachkundigen Bauleiters oder eines unabhängigen Experten durchgeführt werden. Im Protokoll werden sämtliche Mängel am Haus schriftlich festgehalten. Wichtig: Beide Parteien müssen das Protokoll unterschreiben.

Am Tag der Abnahme beginnt die Rügefrist, auch Garantiefrist genannt. Gemäss Obligationenrecht (OR) gilt für sogenanntes unbewegliches Bauwerk, wie Ihr Einfamilienhaus, eine Rügefrist von fünf Jahren. In diesem Zeitraum ist Ihr Bauunternehmer verpflichtet, Mängel zu beheben. Gemäss OR müssen Mängel aber innert sieben Tagen nach Feststellung gemeldet werden.

In vielen Werkverträgen wird zudem auf die Norm SIA 118 verwiesen, die etwas über die Bestimmungen im OR hinausgehen. Demnach haben Sie in den ersten zwei Jahren zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, Mängel zu melden, die Frist von sieben Tagen kommt hier nicht zur Anwendung.

Arglistig verschwiegen?

Sie bewohnen Ihr Einfamilienhaus nun schon seit 6 Jahren, die Rügefrist bzw. Garantiefrist ist also abgelaufen. Und auch die Hausrat-Haftpflicht oder die kantonale Gebäudeversicherung wird nicht für Risse in der Fassade aufkommen. Eine Option bleibt Ihnen noch: Denn bei «arglistig verschwiegenen Mängeln» haben Sie gemäss SIA 118 die Möglichkeit, Mängel innerhalb von 10 Jahren geltend zu machen. Die Krux hier: Sie als Eigentümer müssen beweisen, dass die Mängel vom Bauunternehmer in voller Absicht verschwiegen worden sind. Einen solchen Beweis zu erbringen, ist oft nicht einfach.

Experten beiziehen

Risse in Fassaden sind leider ein häufiges Problem, und auch wenn die Risse harmlos aussehen, können auch unauffällige Risse die Schutzfunktion des Putzes beeinträchtigen und Wasser kann eindringen. Risse können aber auch Anzeichen für einen schwerwiegenderen Schaden am Bauwerk sein.

Als Laie ist es kaum zu erkennen, welche Ursachen und Auswirkungen ein Riss in der Fassade hat, der Beizug eines Experten ist in diesem Fall sicherlich empfehlenswert, auch wenn Sie die Kosten dafür am Ende wohl selbst übernehmen müssen.

Alexander Paul


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