Ratgeber

Wie macht sich ein Herzinfarkt bemerkbar?

Behandlung einer Herzinfarkt-Patientin - mit den Daten aus dem Herzinfarktregister sollen Patienten besser behandelt werden können. (Symbolbild, gestellte Aufnahme) (KEYSTONE/YOSHIKO KUSANO)
GESUNDHEIT ⋅ Mein Bruder (59) hatte einen Herzinfarkt. Dieser wurde zu meinem Erstaunen erst eine Woche nach dem Ereignis entdeckt, als der Bruder wegen Brustschmerzen zum Arzt ging. Meine Fragen: War das ein stummer Infarkt? Sind die Überlebenschancen in diesem Fall schlechter? Gibt es keine eindeutigen Alarmzeichen?
21. November 2017, 07:56
PD Dr. med. Georg Fröhlich

Ein Herzinfarkt ist ein absoluter Notfall. Jede Minute zählt! Immer noch sterben bis zu 25 Prozent aller Herzinfarkt­patienten, ehe professionelle medizinische Hilfe eintrifft. Gründe dafür sind schwere Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) oder Herzversagen. Durch recht­zeitige Alarmierung der Ambulanz (Notruf 144) können die Überlebenschancen jedoch dramatisch verbessert werden.

Wie spürt man einen Herzinfarkt?

Typisch sind über 15 Minuten anhaltende dumpfe Schmerzen hinter dem Brustbein, welche auch in Hals, Kiefer, Schultern und Arme, aber auch in den Oberbauch oder den Rücken ausstrahlen können. Die Patienten sind häufig kaltschweissig.

Doch es gibt auch untypische Beschwerdebilder. Besonders ältere Patienten (vor allem Frauen) und Diabetiker haben häufig keine eigentlichen Brustschmerzen. Man spricht dann von einem «stummen Infarkt». Diese Patienten bemerken nur eine allgemeine Abgeschlagenheit, Luftnot oder Wasser in den Beinen.

40 Prozent aller Herzinfarktpatienten verspüren Tage oder Wochen vor dem Infarkt erste «Warnsignale». Hier treten Beklemmungsgefühle im Brustbereich bei Anstrengung auf. Leider werden diese «Vorwarnungen» häufig verkannt. ­ In dieser Phase könnte durch eine rasche Therapie ein Herzinfarkt noch verhindert werden!

Was genau ist ein Herzinfarkt?

Das Herz schlägt zirka 100000-mal pro Tag und braucht entsprechend viel Blut und Sauerstoff. Die «Energieversorgung» des Herzens wird durch drei grosse Blutgefässe gewährleistet. Im Laufe des Lebens kann es jedoch zu Ablagerungen und «Verstopfungen» dieser Blutgefässe kommen. Ursache dafür sind Alterung, Rauchen, hohes Choles­terin, Diabetes, Bluthochdruck und genetische Veranlagung.

Kommt es zu einem kompletten Gefässverschluss (Infarkt), so stirbt das Herzmuskelgewebe in diesem Bereich ab. Es entsteht eine Narbe, welche die Pumpleistung und damit die Prognose des Patienten einschränkt. Herzmuskelzellen sind sehr empfindlich und können sich nicht regenerieren. Bereits 5 Minuten nach einem Gefässverschluss gehen erste Zellen zugrunde. Ohne Behandlung ist 12 bis 24 Stunden nach Beginn der Brustschmerzen der Schaden bereits maximal.

Wie sieht die Behandlung aus?

Der Notarzt kann rasch mit einem EKG die Diagnose stellen und wird dann den Patienten zur Herzkatheteruntersuchung in die Klinik bringen. Dort wird unverzüglich das verstopfte Herzgefäss mit einem oder mehreren Stents wiedereröffnet. Diese kleinen gitterförmigen Gefässstützen aus Metall werden in Lokalanästhesie z. B. von einem Blutgefäss am rechten Handgelenk bis ins Herz vorgeschoben. So kann ein Grossteil des bedrohten Herzmuskels gerettet und damit die Pumpleistung erhalten werden.

PD Dr. med. Georg Fröhlich

Facharzt für Kardiologie und Innere Medizin


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