Ratgeber

Wie lange halten Stents in Herzkranzgefässen?

(Symbolbild: Nadia Schärli)
Vor acht Jahren wurden bei mir (m, 78) in mehreren Tranchen insgesamt sieben Stents in verengte Herzkranzgefässe implantiert. Es geht mir eigentlich gut, dennoch frage ich mich, wie lange diese Stents halten. Können sich die Gefässe nicht trotzdem wieder verengen? Muss ich mir Sorgen machen?
28. Dezember 2017, 09:55
PD Dr. med. Stefan Toggweiler

Stents sind Röhrchen aus einem ganz feinen Metallgerüst, welche das Blutgefäss – in diesem Fall durch Ablagerungen verengte Herzkranzgefässe – ­offen halten und den Blutfluss sicherstellen sollen. Diese Stents bleiben im Patienten bis an dessen Lebensende drin. Am Luzerner Kantonsspital werden heute jährlich rund 1500 Stent-Implantationen durchgeführt.

Anfang der 1980er-Jahre hat man verengte Stellen mit einem Ballonkatheter aufgedehnt. Man sprach dabei von einer Ballondilatation. Diese hat das akute Problem der Verengung häufig behoben. Leider kam es aber bei bis zu 30 Prozent der Patienten zu einer erneuten Verengung an der Stelle, die vorher mit dem Ballon aufgedehnt worden war.

Ende der 1980er-Jahre wurden dann die ersten Stents eingesetzt. Die Dicke des Metallgerüsts eines Stents beträgt heute weniger als ein Zehntelmillimeter.

Durch diese Stents konnte die Anzahl von erneuten Verengungen deutlich gesenkt werden. Praktisch alle Stents, die heutzutage eingesetzt werden, sind zusätzlich mit einem Medikament beschichtet, welches das Risiko für eine erneute Verengung weiter senkt.

Heute ist diese Technologie derart ausgereift, dass erneute Gefässverengungen an der Stelle der implantierten Stents nur noch in zirka 5 Prozent der Fälle auftreten. Diese wenigen Fälle einer erneuten Verengung treten meist innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach dem ersten Eingriff auf. Während der ersten Monate kommt es nämlich zu einem Einwachsen der Stents in die Gefässe. Das bedeutet, dass die Stents mit einer dünnen Gefässwand überzogen werden und danach nicht mehr direkt mit dem Blutkreislauf in Kontakt kommen.

Zu starke Heilungsreaktion

Fällt nun diese natürliche Heilungsreaktion des Körpers zu stark aus, kann es zu einer erneuten Verengung der Gefässe kommen. Patienten mit solchen Verengungen verspüren dann typischerweise bei Belastung ein Engegefühl auf der Brust, allenfalls auch Atemnot – eine sogenannte Angina Pectoris. Patienten mit diesen Symptomen sollten ihren Hausarzt aufsuchen, er wird sie entweder zu einer Abklärung beim Kardiologen anmelden oder direkt für eine Herzkatheteruntersuchung zuweisen.

Nachdehnen oder Zweitstent

Wenn man verengte Stents feststellt, können diese mit einem Ballon nachgedehnt werden. Wenn dabei das Resultat gut ist, wird der verengte Stent obendrein mit einem medikamentenbeschichteten Ballon nachgedehnt. Zweite Möglichkeit: Man setzt einen zweiten Stent in den ersten ein. Da das Metallgerüst dieser Stents sehr dünn ist, ist dies in der Regel problemlos möglich.

Wie Sie schreiben, geht es Ihnen acht Jahre nach der Stentimplantation immer noch sehr gut, was dafür spricht, dass Ihre Stents immer noch durchgängig sind. Nach dieser Zeit ist das Risiko, dass es zu erneuten Verengungen der Stents kommt, sehr gering.

Dr. med. Stefan Toggweiler


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