Ratgeber

Was tun gegen das häufige nächtliche Wasserlösen?

Kastanienförmig und ein Durchmesser von rund 5 Zentimetern: Drei Erkrankungsvarianten der Prostata können Männern über 60 zu schaffen machen.
GESUNDHEIT ⋅ Ich (m, 72) habe seit einigen Jahren eine Reizblase. In der Nacht muss ich zwei bis vier Mal aufstehen zum Wasserlösen, immer nur kleiner Mengen. Wenn es nur minim kälter wird, wird es viel schlimmer. Von meinem Hausarzt verschriebene Medikamente brachten keine Besserung. Gibt es noch andere Lösungen zur Abhilfe?
28. November 2017, 05:00
Dr. med. Mark Meier

Häufiges, nächtliches Wasserlösen (Nykturie) ist ein unspezifisches Symptom, das viele Ursachen haben kann. Die überaktive Harnblase, die sogenannte Reizblase, ist nur eine davon. Sie ist gekennzeichnet durch häufiges Wasserlösen tagsüber und nachts sowie einen plötzlich auftretenden, zwingenden Harndrang. Gerade bei männlichen Patienten über 60 ist nächtliches Wasserlösen neben einem abgeschwächten Harnstrahl und einem verzögerten Start der Blasenentleerung auch ein wichtiges Leitsymptom für eine Prostatavergrösserung.

Es führen aber auch diverse andere Krankheitsbilder zu gehäuftem nächtlichem Wasserlassen: wassertreibende Medikamente, unbehandelter Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen oder aber die Ausschwemmung von tagsüber eingelagerter Körperflüssigkeit aufgrund von Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Diese sollten durch den Hausarzt ausgeschlossen werden.

Die von Ihnen beschriebene Abhängigkeit der Umgebungstemperatur ist typisch. Kälte bewirkt im Körper eine vermehrte Urinproduktion sowie eine Verstärkung des Harndrangs. Neben Verhaltensmassnahmen (Anpassung beziehungsweise Reduktion der abendlichen Trinkmenge, Entspannungsübungen) sind Medikamente ein wichtiger Therapiepfeiler. Insbesondere blasenberuhigende Medikamente (Anticholinergika und Mirabegron) sowie bei Männern Alphablocker, die den Blasenausgang erweitern und das Wasserlassen erleichtern, spielen eine wichtige Rolle. Bei Frauen führen östrogenhaltige Crèmes, welche die Durchblutung der urogenitalen Schleimhaut fördern, zu einer Linderung der Beschwerden.

Falls – wie bei Ihnen – die medikamentöse Therapie keinen Nutzen bringt, sollten Blase und Prostata von einem Urologen weiter abgeklärt werden. Mittels Ultraschalluntersuchung zum Ausschluss einer unvollständigen Blasenentleerung sowie einer Blasenspiegelung lassen sich viele Ursachen (u. a. Blasensteine, Blasentumore, chronische Entzündungen) der Reizblase erkennen. Zusätzliche Informationen liefert die urodynamische Untersuchung, mit deren Hilfe man bestimmen kann, wie viel Urin die Blase speichern kann, ob die Beckenmuskulatur richtig arbeitet und die Harnröhre verschliessen kann.

Sollte eine vergrösserte Prostata als Hauptursache für Ihre nächtliche Störung gefunden werden, ist als weiterführende Therapie die operative Prostataentfernung durch die Harnröhre zu diskutieren.

Auch Botox kann helfen

Bei einer Reizblase gibt es die Möglichkeit mit dem Nervengift Botox, das in den Blasenmuskel gespritzt wird, um die Blasenaktivität zu verringern. Zusätzlich kann mittels Elektrostimulation von Nervenleitungen (von aussen oder mit eingesetztem Schrittmacher) die Funktion der Harnblase verbessert werden.Wichtig ist es mit dem Hausarzt über dieses oft unterschätzte Problem, das nicht selten zu grosser Beeinträchtigung der Lebensqualität führt, zu reden sowie rechtzeitig fachärztlichen Rat beim Urologen zu suchen.

Dr. med. Mark Meier


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