Ratgeber

Spielt es eine Rolle, welches Fleisch man isst?

Immer weniger Fleisch landet auf Schweizer Tellern. Doch noch immer beträgt der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum über 50 Kilogramm im Jahr. (Archiv) (KEYSTONE/GAETAN BALLY)
KURZANTWORT KURZANTWORT ⋅ Unsere Familie isst zwei-, dreimal pro Woche Fleisch, meistens Trutenfleisch. Daneben ernähren wir uns mit viel Salat und Gemüse. Man hört immer wieder mal, dass Fleisch ein wichtiger Nährstoff ist. Stimmt das auch wirklich? Und: Sind Fleischsorte und Konsumhäufigkeit für die Gesundheit von Bedeutung?
10. April 2018, 10:08
Esther Jost Honegger, Horw

Im Moment ist der Fleischkonsum allgemein stark im Wandel. Tierschützerische Aspekte spielen dabei ebenso eine Rolle wie gesundheitliche. Mit Ihrer Anfrage fokussieren Sie auf den Gesundheitswert von Fleisch. Deshalb möchte ich dieses Thema zuerst aufgreifen.

Alle Fleischsorten sind sehr gute Proteinlieferanten. Diesen Grundnährstoff – oft auch Eiweiss genannt – benötigen wir, um Körpersubstanz aufzubauen oder zu reparieren. Eine erwachsene Person zwischen 19 und 70 Jahren benötigt 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Wenn jemand 65 kg wiegt, liegt der tägliche Bedarf also bei 52 g Protein.

In 100 g Fleisch sind zwischen 20 und 24 Protein enthalten. Das restliche Protein lässt sich dann gut mit Milch, Milchprodukten und anderen Nahrungsmitteln (z. B. Getreide und Hülsenfrüchten) abdecken. So ist es relativ einfach, zu genügend Protein zu kommen.

Nebst Eiweiss liefert Fleisch – je nach Sorte – unterschiedliche Mineralstoffe und Vitamine, die für eine gute Funktion unseres Körpers unabkömmlich sind. Nennenswert sind hier: Eisen unter anderem für die Blutbildung, Vitamin A für die Sehpigmente der Netzhaut und Vitamin B12, welches für die Zellteilung und die Produktion der roten Blutkörperchen eine zentrale Rolle spielt.

Mit Mass geniessen

Zur Frage der Häufigkeit: Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt zwei bis drei Portionen Fleisch zu je 100 bis 120 g pro Woche, davon maximal einmal Fleischerzeugnisse wie Würste, Aufschnitt, Gepökeltes (z. B. Trockenfleisch, Schinken), Geräuchertes (z. B. Landjäger). Es gibt Hinweise darauf, dass diese Fleischerzeugnisse das Risiko für bestimmte Krankheiten leicht erhöhen. Gleiches gilt für «rotes Fleisch» (Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Schaf). Als «weisses Fleisch» bezeichnet man jenes von Geflügel und Kaninchen.

Am besten wechselt man zwischen den Fleischsorten ab. Wenn man sich an die Mengenempfehlungen der SGE hält und die Fleischsorten abwechselt, besteht kein erhöhtes Krankheitsrisiko.

Abschliessend möchte ich noch ein paar Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit anfügen. Mittlerweile können wir es uns nicht mehr leisten, unsere Nahrung nur unter dem Aspekt der Gesundheit zu betrachten. Es geht auch darum, die Ressourcen der Natur und die soziale Gerechtigkeit zu betrachten, ebenso die Art und Herkunft der Futtermittel sowie natürlich die Haltung der Tiere.

Glücklicherweise profitieren wir in der Schweiz von strengen Gesetzen und Auflagen für eine artgerechte Haltung. Bio-Label oder andere tierfreundliche Labels fordern zusätzlich Auslaufmöglichkeiten. Achten Sie unter dem Aspekte der Nachhaltigkeit beim Fleischkauf besonders auf die Qualität. Kaufen Sie möglichst Schweizer Fleisch aus umwelt- und artgerechter Produktion. Damit das geschlachtete Tier vollständig verwertet wird, ist es auch sinnvoll, nicht nur das Filet zu geniessen, sondern auch mal ein Ragout oder Siedfleisch zu machen.

Esther Jost Honegger, Horw