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Lehre und Studium: Besteht eine Ausgleichspflicht?

Lange Unterstützungspflicht: Eltern kommt das Universitätsstudium ihrer Kinder teuer zu stehen. (Symbolbild) (Eveline Beerkircher / Neue LZ)
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03. Januar 2018, 04:39
Hugo Berchtold

Ihr Problem stellt sich in vielen Familien mit Kindern, die jeweils eine für sie zugeschnittene Lösung finden müssen. Eine Ideallösung für alle Fälle gibt es nicht. Rechtlich gilt: Eltern dürfen ihre Kinder grundsätzlich unterschiedlich behandeln. So könnte etwa per Testament bestimmt werden, dass ein Kind mehr erbt als die anderen. Allerdings sind bei dieser Ungleichbehandlung – aus welchem Grund auch immer – die Pflichtteile der anderen Kinder zu beachten.

Es gehört zu den elterlichen Pflichten, für den Unterhalt der Kinder aufzukommen, bis diese eine angemessene Erstausbildung abgeschlossen haben. Erziehungs- und Ausbildungskosten sind aufgrund von ZGB 631 von der Ausgleichungspflicht beim Erben befreit, sofern und soweit sie sich in üblichem Rahmen halten. Angemessen meint, dass die Ausbildung den Fähigkeiten des Kindes, aber auch den finanziellen Möglichkeiten der Eltern Rechnung tragen soll.

Dass nicht alle Kinder eine gleich lange Ausbildung absolvieren und es damit oft zu einer Ungleichbehandlung kommt, ist deshalb absolut normal. Zu beachten ist allerdings, dass die Eltern nur verpflichtet sind, für die Erstausbildung aufzukommen. Macht das Kind eine Zusatzausbildung müssen die Eltern nicht mehr bezahlen.

Das Kind, das eine Lehre macht und deswegen seine Ausbildung schneller abschliesst als ein Geschwister mit Studium, hat deswegen aber nicht auto­matisch Anspruch auf einen Ausgleich. Da die Finanzierung der Ausbildung eine elterliche Pflichtleistung ist, stellt sie keinen Erbvorbezug dar, der bei der Erbteilung gegenüber den andern Nachkommen auszugleichen ist.

Ein Ausgleich wäre gemäss Gesetz nur geschuldet, wenn eines der Kinder eine Ausbildung erhält, die über das übliche Mass hinausgeht und dadurch eine grosse Ungleichheit im Vergleich zu den andern Nachkommen entsteht. Das wäre etwa der Fall, wenn ein Kind ein mehrere zehntausend Dollar teures Studium an einer US-amerikanischen Universität machen würde, während das andere eine Lehre absolvierte.

Klarheit schaffen

Es ist Ihnen aber freigestellt, die Kinder, die ein langes Studium machen durften, zur Ausgleichung bei der Erbteilung zu verpflichten. Doch auch hier sind die Pflichtteile aller Kinder zu beachten. Ohnehin ist es sinnvoll, in einem Testament festzuschreiben, ob ein Mehr an Ausbildungskosten beim Erben auszugleichen ist oder nicht. Sie können aber auch schon vorher versuchen, die unterschiedlichen Aufwendungen auszugleichen: Etwa, indem Sie einen Zustupf ausrichten, wenn ein Kind nach der Lehre eine grössere Reise machen möchte. Oder Sie zahlen während der Lehre regelmässig einen Betrag auf ein Konto ein, über das das betroffene Kind nach der Lehre frei verfügen kann. Wichtig sind aber Transparenz und eine Lösung, mit der alle Familien­mitglieder einverstanden sind.

Hugo Berchtold

Redaktor Ratgeber

Die Auslagen des Erblassers für die Erziehung und Ausbildung einzelner Kinder sind, wenn kein ­anderer Wille des Erblassers nachgewiesen wird, der Ausgleichungspflicht nur insoweit unterworfen, als sie das übliche Mass übersteigen (ZGB Art. 631). Grundsätzlich dürfen Eltern ihre Kinder ungleich behandeln, solange – beim Erben – die Pflichtteile nicht verletzt werden. (red)

 

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