Ratgeber

Unsere Kinder interessieren sich nur für die Geschenke

Geschenke (Symbolbild) (Bild: Manuela Jans/LZ)
WEIHNACHTEN ⋅ Zunehmend habe ich den Eindruck, dass für unsere Kinder (5 und 8) an Weihnachten nur die Geschenke im Vordergrund stehen. Ich verstehe natürlich, dass sie daran Freude haben. Doch wie kann ich ihnen auch noch andere weihnächtliche Werte vermitteln? Und dass es auch um das Zusammensein in der Familie geht?
19. Dezember 2017, 09:39
Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch

Festliche Tage um die Mitte der Winterzeit sind seit Jahrhunderten belegt. In der Antike hatten die Ägypter und andere Hochkulturen die Wintersonnenwende (21. Dezember) zum Anlass genommen, die Geburt ihrer Sonnengottheiten zu feiern. In den nordischen Ländern sind die Wintersonnenwende- bzw. Julfeste seit Jahrhunderten bekannt. Es waren oft Feste von ausgelassener Üppigkeit.

Auch die Bescherung der Kinder hat eine lange Tradition, entweder zum St. Nikolaustag oder zu Weihnachten. In der Zeit der Reformation wurde die Spannung zwischen Katholiken und Protestanten auch auf diesem Feld ausgetragen. Der Protestantismus bekämpfte die katholische Nikolausbescherung und förderte die Weihnachtsbescherung der Kinder. Deutsche Städte wandelten Nikolausmärkte in Weihnachts- oder Christkindlmärkte um. Diese Märkte erfreuen sich heute noch grosser Beliebtheit.

Selbst die überquellende Beschenkung der Kinder ist nicht neuen Datums. 1460 erliess Konstanz sogar ein Verbot gegen die übermässige Kinderbescherung. Wie das durchgesetzt und kontrolliert werden konnte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Absprache mit Schenkenden

Wie Sie richtig schreiben, hat Weihnachten noch andere Be­deutungen. Das wiedergewonnene Licht ist eine Bedeutung der Geburt Christ als den Lichtbringer. Weihnachten ist heute vor allem ein Familienfest. Sie können die Advents- und Weihnachtszeit nutzen, um dem Familienleben mehr Gewicht zu geben.

Ich vermute, dass Sie die Geschenkmenge einigermassen regeln können. Hier braucht es vermutlich Absprachen mit den näheren Verwandten und Bekannten wie Grosseltern, Gotte/Götti usw. Auch auf die Art der Geschenke können Sie Einfluss nehmen und Ihre Haltungen und Werte beachten.

Dann möchten Sie neben den Geschenken den Kindern an Weihnachten auch noch andere Werte vermitteln. Dies können Sie am besten tun, wenn Sie die Zeit mit den Kindern bewusst gestalten.

Bewusst ins Dunkle gehen

Die früher einbrechende Dunkelheit gibt Ihnen die Möglichkeit, mit den Kindern in der Nacht, bevor sie ins Bett gehen müssen, draussen etwas zu unternehmen. Bei entsprechender Witterung können Sie einen Spaziergang an einen etwas lichtgeschützten Ort unternehmen, um einen Blick in das sternenüberflutete Universum zu werfen und einen Bezug zum Stern von Bethlehem herzustellen. Sie können den Spaziergang aber auch mit einfachen Lichtquellen wie Laternen oder Fackeln gestalten. Damit können Sie den Kindern noch andere Bedeutungen von Licht näherbringen.

Auch drinnen haben Sie viele Möglichkeiten der Vermittlung anderer Werte. Sie können bewusst mit den Kindern etwas spielen, etwas basteln, zusammen backen, etwa Weihnachtsguetzli, um diese dann genussvoll miteinander zu verzehren.

Zeiten im Winter, wo man sehr üppig feiert und schenkt, gab es immer schon. Möchte man die Geschenkmenge an die Kinder regulieren, spricht man sich mit den Schenkenden ab. Eine bewusste Gestaltung der Advents- und Weihnachtszeit mit passenden Aktivitäten hilft mit, den Kindern auch andere weihnächtliche und familiäre Werte zu vermitteln. (red)

Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, www.psychotherapie-jung.ch

Kurzantwort

Zeiten im Winter, wo man sehr üppig feiert und schenkt, gab es immer schon. Möchte man die Geschenkmenge an die Kinder regulieren, spricht man sich mit den Schenkenden ab. Eine bewusste Gestaltung der Advents- und Weihnachtszeit mit passenden Aktivitäten hilft mit, den Kindern auch andere weihnächtliche und familiäre Werte zu vermitteln. (red)

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