Ratgeber

Sollen wir es mit Fortpflanzungsmedizin versuchen?

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FAMILIE ⋅ Mein Mann und ich (39/35) versuchen seit 2 Jahren, ein Kind zu bekommen. Die anfängliche Lockerheit, es einfach mal geschehen zu lassen, ist verschwunden. Das Thema frustriert uns zunehmend. Wir sind unsicher, ob wir es mit den Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin versuchen wollen. Was ja auch eine grosse Belastung sein kann.
23. November 2017, 08:36
Andrea Munz

Es ist für viele ungewollt kinderlose Paare eine neue, schmerzhafte Erfahrung, dass sie es nur bedingt beeinflussen können, ob ein grosser Herzenswunsch in Erfüllung geht. Wir sind uns gewohnt, dass wir durch einen starken Willen und grossen Einsatz vieles erreichen können, was uns wichtig ist (etwa Aus- oder Weiterbildung, Arbeits­stelle, Wohnung, Reisen).

Beim Thema Kinderwunsch werden wir mit dem Gefühl von Ohnmacht konfrontiert. Der Druck, nach Kalender miteinander zu schlafen, die Frage «Und sonst?», die ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungshaltungen aus dem Umfeld «Wollt ihr keine Kinder?» sowie die Ratschläge und Tipps, was bei anderen geholfen hat, sind für das betroffene Paar oft eine zusätzliche Belastung. Das Leben scheint sich nur noch um die Kinderfrage zu drehen. Plötzlich sieht man überall schwangere Frauen, und jeder Kinderwagen und Spielplatz erinnert an die eigene Kinderlosigkeit. Das kann wehtun.

Beide untersuchen lassen

Wichtig ist die Unterstützung einer Frauenärztin/eines Frauenarztes, der/dem Sie vertrauen. Ich empfehle Ihnen, dass beide Partner sich untersuchen lassen, ob aus medizinischer Sicht alles in Ordnung ist. Falls nicht, wird Ihnen die Ärztin/der Arzt aufzeigen können, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Informieren Sie sich über die verschiedenen Methoden (etwa Insemination, In-­vitro-Fertilisation IVF, ICSI, Eizellen- und Samenspende, Adoption). Diskutieren Sie gemeinsam, welche Methoden für Sie in Frage kommen und wo für Sie die Grenze liegt.

Der Beizug einer medizinischen und/oder psychologischen Fachperson kann Sie unterstützen, als Paar Antworten zu finden, die für Sie stimmig sind. Überlegen Sie sich, wie Sie in 10 Jahren auf die jetzige Zeit zurückschauen wollen. Bereuen Sie dann möglicher­weise, dass Sie die heutigen Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin nicht genutzt haben?

Erlauben Sie sich auch zu trauern, wenn Ihre Menstruation einsetzt. Sie haben in diesem Moment allen Grund, traurig zu sein. Versuchen Sie, nicht schon drei Wochen vor der Blutung traurig zu sein, weil es vielleicht nicht geklappt hat. Lassen Sie Raum für Hoffnung und für Trauer – beides zu seiner Zeit.

Andere Projekte entwickeln

Hilfreich ist es, wenn ein Paar neben dem Projekt «Schwanger werden» auch andere Perspektiven entwickelt im Sinn von «Die beste Variante ist, schwanger zu werden, die zweitbeste Option ist, ...» Überlegen Sie sich, was Sie sonst noch interessiert und was Ihnen Freude bereitet. Seien Sie mutig, und beginnen Sie in der Gegenwart Aktivitäten umzusetzen, die Ihnen als Einzelperson und als Paar Freude machen. Verschieben Sie die Reise oder den Stellenwechsel nicht aus dem Grund, weil Sie dann vielleicht schwanger sein könnten. Sollte dies plötzlich eintreten, können Sie die Situation immer noch neu beurteilen und entscheiden, was umorganisiert werden muss.

Andrea Munz


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