Ratgeber

Mein Mann ist immer so geizig

Unterschiede im Portemonnaie: Die Schweiz liegt in punkto Einkommensunterschiede laut einer OECD-Studie im Mittelfeld (Symbolbild) (KEYSTONE/GAETAN BALLY)
Mein Mann arbeitet Vollzeit, ich Teilzeit, wir haben zwei Kinder. Das Thema Geld führt bei uns öfter zu Streit. Mich nervt sein Geiz, seine blöden Kommentare, wenn ich etwas gekauft habe, das er als unnötig erachtet. Er ärgert sich über meine Spontaneität beim Einkaufen und nennt mich verschwenderisch. Wie können wir das lösen?
12. April 2018, 04:40
Andrea Munz
Ein geiziger Mensch gönnt weder sich noch anderen etwas und ist übertrieben sparsam. Das Zusammenleben mit ihm ist anstrengend, wobei er/sie sicher über andere, positive Eigenschaften verfügt, denn ansonsten hätte man kaum genau diese Person als Partner ausgewählt.

Es gibt in unserer Kultur eine Erwartung, dass ein Mann seine Freundin oder Frau einlädt, wenn sie gemeinsam ausgehen. Viele Frauen geniessen diese Geste von Wertschätzung und Grosszügigkeit. Bezahlt er öfter nicht für beide, gilt der Mann rasch als geizig. Sozialhistorisch steckt dahinter, dass der Mann meist mehr verdiente als die Frau und beweisen musste, dass er fähig ist, eine Familie zu ernähren. Doch die Rollenzuschreibungen werden heute vermehrt hinterfragt, worüber man sich als Paar auch austauschen kann.

Für einige Leute bedeutet ein finanzielles Polster Sicherheit, für andere Freiheit. Die Sparer sorgen gerne vor fürs Alter, Unvorhersehbares oder fokussieren auf eine grössere, zukünftige Investition. Die anderen gönnen sich lieber in der Gegenwart etwas Genussvolles. Die Prioritäten, wofür Geld ausgegeben wird, führen bei vielen Paaren zu Konflikten. Der eine freut sich vielleicht an neuen technischen Geräten, die andere über neue Kleider oder einen neuen Einrichtungsgegenstand.

Vielen Paaren hilft es, eine gemeinsame Kasse zu haben und gemeinsam festzulegen, welche Zahlungen daraus getätigt werden. Daneben gönnen sich beide Partner ein den wirtschaftlichen Möglichkeiten angepasstes «Sackgeld», über dessen Verwendung sie niemandem Rechenschaft schuldig sind. Das ermöglicht Freiräume und reduziert Reibungsflächen. Das Aushandeln der Beiträge in die gemeinsame und die individuelle Kasse macht man am besten in einem emotional ruhigen Moment.

Geiz aus Angst?

Wie verhalten Sie sich in Situationen, in denen Sie Ihren Partner als geizig erleben? Sprechen Sie das Thema an, oder bezahlen Sie trotzig selber in der stillen Hoffnung, dass er sich ein Beispiel an Ihnen nimmt? Schwierig wird es, wenn man aufgrund eines Betrages (etwa ein billiges Geschenk) Rückschlüsse zieht auf die emotionale Bedeutung der Beziehung. Gefühle lassen sich nicht auf diese Art ausdrücken.

Es kann sich lohnen, den möglichen Ursachen des geizigen Verhaltens nachzugehen. Ist Ihr Partner in einer sehr sparsamen Familie aufgewachsen, und hat er dieses Verhalten dort gelernt? Hat er in seinem Leben stark unter Geldmangel gelitten? Möglicherweise spürt ihr Partner auch Druck, die Hauptverantwortung für das Familieneinkommen nicht mehr übernehmen zu können, wenn Sie allzu spontan Geld ausgeben. Hinter grosser Sparsamkeit verstecken sich oft reale Existenzängste oder auch irrationale Ängste. Etwa, dass man verlassen wird, nicht genug attraktiv ist, statusmässig versagt. Indem man Interesse signalisiert, mehr über die Hintergründe eines Verhaltens zu erfahren, ermöglicht man gegenseitiges Verständnis.

Andrea Munz