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Er muss sich ändern: Doch wie bringe ich das fertig?

Sprachlosigkeit eines Paares muss nicht zwingend auf eine erloschene Beziehung hindeuten. Oft ist das grosse Schweigen aber schon bedrückend, sowohl für das Paar selber wie für die nächste Umgebung. (Getty)
BEZIEHUNGEN ⋅
16. November 2017, 08:43
David Siegenthaler

Viele Paare erleben Ähnliches. Doch Sie haben die Möglichkeit, die Situation positiv zu gestalten. Dies setzt voraus, dass Sie bereit sind, auch etwas an Ihrem eigenen Verhalten zu verändern. Die Situation wird sich verhärten, wenn keiner der Beteiligten den ersten Schritt tun will.

Ein Beispiel: Die Frau beklagt sich beim Mann, dass er zu viel Zeit vor dem Computer verbringt. Er wiederum denkt: «Sie will eh nur, dass ich tue, was sie will, man kann es ihr nicht recht machen.» Er mauert und ignoriert sie noch mehr. Sie fühlt sich nicht wahrgenommen und beklagt sich noch stärker.

Eine solche Paardynamik ist geprägt von Vorwurf und Gegenvorwurf. Dahinter stecken Wünsche und Bedürfnisse. Doch es ist einfacher zu überlegen, was man nicht will, als was man will. Was könnte also Ihre Botschaft sein, wenn Sie Ihrem Mann mitteilen «Hör auf, so viel fernzusehen!»?

Beobachtung und Wunsch

Dazu ist die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) von Marshall B. Rosenberg hilfreich. Beschreiben Sie zunächst, was Sie beobachten (nur die Tätigkeit). Etwa: «Ich habe bemerkt, dass du die letzten drei Abende nach der Arbeit bis zehn Uhr ferngesehen hast.» Vermeiden Sie dabei Verallgemeinerungen wie «immer» oder «nie». Bewerten Sie dann die Situation als Ich-Botschaft. Etwa: «Auf mich wirkt es so, als hättest du nur am TV Interesse.» Dann formulieren Sie Ihr Bedürfnis, etwa: «Ich möchte dir nahe sein, ich möchte interessant für dich sein.»

Zu guter Letzt äussern Sie den konkreten Wunsch, welchen Sie an Ihr Gegenüber haben: «Ich wünsche mir, dass wir mal wieder einen Abend zusammen essen.» Oder als Frage: «Können wir morgen etwas zusammen unternehmen?»So kann das Gegenüber Ihre Bedürfnisse besser nachvollziehen. Sich zu überlegen oder auch Ihren Partner zu fragen, wie Sie für ihn interessant sein könnten, wäre ein zusätzlicher Schritt. Meist steckt in Vorwürfen Potenzial für Entwicklung. Dieses zu erkennen, erfordert Überwindung. Gerade die schmerzlichen Situationen sind diejenigen, an denen wir wachsen können.

Verhalten oder Charakter?

Es ist wichtig, zwischen Verhalten (etwa vor dem TV sitzen) und Charakter («Du bist immer so ruhig») zu unterscheiden. Sie können Ihrem Partner mitteilen, was sein Verhalten bei Ihnen auslöst, und ihn bitten, dieses zu ändern. Dabei ist hilfreich, wenn er sieht, dass Sie ihm entgegenkommen wollen. Überlegen Sie sich, wie viel Kompromiss möglich ist. Auch Ihr Partner hat eine Grenze, welche Ihrer Bedürfnisse er nicht erfüllen kann oder will.

Was Sie nicht ändern können, ist die Persönlichkeit Ihres Partners: So wird ein schweigsamer Eremit niemals zur Plaudertasche. Sich ändern kann eine Person nur, wenn sie selber zur entsprechenden Erkenntnis kommt und bereit ist, an sich zu arbeiten. Es gibt aber fast immer auch Bedürfnisse, die Ihr Gegenüber nicht stillen kann. Ein Teil davon kann vielleicht im Umfeld von Familie, Freunden oder Arbeit Erfüllung finden.

David Siegenthaler, dipl. psychologischer Berater, Sexual- und Paarberater, Paar- und Einzelberatung leb

www.leb-zug.ch


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