Olympia und/oder Expo?

UNKOMMOD ⋅
31. Dezember 2017, 14:54
Lukas Niederberger

Im Jahr 2010 warb Bundesrätin Leuthard für eine Expo «Gottardo 2020», die aber kurze Zeit später zu Gunsten lokaler Projekte in den ­Gotthardkantonen zu Grabe getragen wurde. Anfang Juni 2016 schickten die Thurgauer und St. Galler an der Urne den Planungskredit für eine Expo zwischen Bodensee und Säntis im Jahr 2027 knapp bachab. Der Bundesrat war bereit, eine Milliarde in dieses Projekt zu stecken. Doch die Gegner in der Ostschweiz argumentierten, eine Landesausstellung sei nicht mehr zeitgemäss. Gegen diese Meinung spricht aber allein schon die Tatsache, dass noch drei weitere Projekte für eine Expo 2027 existieren. Das erste will dezentrale, innovative und nachhaltige Projekte aus allen Landesteilen auf dem Flugplatz Dübendorf zu einem «Rendez-vous der Schweiz» zusammenbringen. Im zweiten Projekt wollen die zehn Stadtpräsidien von Zürich, Basel, Bern, Biel, Genf, Lausanne, Lugano, Luzern, St. Gallen und Winterthur der Frage nachgehen, wie gutes Zusammenleben in steter Veränderung funktio­nieren kann, speziell in der Spannung zwischen Stadt und Land sowie ­zwischen Bund und Kantonen. Und das dritte Projekt vom Aargauer Verein Svizra 2027 will Fragen rund um das Zusammenleben und die Arbeitswelt behandeln.

Der Bundesrat wird sich im neuen Jahr für eines oder keines der drei Projekte entscheiden müssen. Sinnvoll wäre, wenn der Bundesrat die Initianten aller fünf Expo-Projekte wie die 12 ­Geschworenen solange gemeinsam ins Bundesratszimmer sperren würde, bis sie einen einzigen genialen Wurf gebären. Dies aus dem einfachen Grund, weil die Steuerzahler kaum bereit sein werden, kurz hinter­einander je eine Milliarde Franken für nationale Mega-Events zu ­bezahlen: für eine Olympia 2026 und eine Expo 2027.

Bis am 23. März 2018 läuft die bundes­rätliche Vernehmlassung für einen Verpflichtungskredit von 44 Millionen Franken für die Sicherheit an den Olympischen Winterspielen 2026. Der Bund will zur Durchführung der Spiele in Sion über 800 Millionen Franken gewähren. Falls der Bund beziehungsweise das Stimmvolk tatsächlich bereit sind, innert einem Jahr eine Olympiade und eine Expo zu stemmen, würde das wohl viele freuen, namentlich die Wirt­schaft. Falls es aber um ein Entweder-oder gehen wird, sollten Bundesrat und Stimmvolk einer Expo den Vorrang geben. Denn von Olympischen Spielen profitieren primär internationale Sponsoren, die wie bei der Fussball-Euro 2008 grossflächig das Monopol beanspruchen für den Verkauf von T-Shirts bis zu Bier und Wurst. Sport-Events waren noch nie nachhaltig und fördern weder das lokale Gewerbe noch den Breitensport. Warum sollte dies ausgerechnet bei Sion 2026 mit den Herren Constantin & Co. anders laufen?

Expos sind auch und gerade im digitalen Zeitalter aktuell, weil sie echte Begegnung zwischen Menschen aller Landesteile, Weltanschauungen und sozialen Schichten schaffen. An früheren Expos wurde das «Volk von Berglern» und die «Insel der Neutralität» zelebriert. Die Expo 2027 wäre eine Chance, um innovative und bleibende Projekte anzustossen und so der Schweiz positive Impulse zu verleihen – ­zumindest bis zur Expo 2052.

Lukas Niederberger