Salzkorn

05. Dezember 2017, 05:19

Im Kanton St. Gallen erleben Nikolaus und Knecht Ruprecht morgen ihre Dernière. Sie dürfen ab 2018 im öffentlichen Raum keine Mandarinen mehr an Kinder verteilen. Ein dichter weisser Rauschebart und die tief ins Gesicht hängende Kapuze eines Purpurmantels unterscheiden sich in ihrem Zweck nicht von einer Burka oder einem Nikab: Sie verhüllen. Und das wird verboten. SVP und CVP fanden im St. Galler ­Kantonsrat eine Mehrheit.

Bedroht oder gefährdet Nikolaus die öffentliche Sicherheit, den religiösen oder den gesellschaftlichen Frieden? Das liegt ganz alleine im Ermessen der Hüter dieses Gesetzes, das der Kantonsrat gemacht hat.

Wenn nächstes Jahr auf dem Klosterplatz beim Bischofssitz der prächtige Weihnachtsbaum illuminiert wird, könnte es sein, dass die bärtigen Mitglieder der Samichlaus-Bläsergruppe der Polizeimusik St. Gallen von Kollegen in Handschellen gelegt und abgeführt werden. Mit Islamophobie hätte das nichts zu tun. Vor dem Gesetz sind alle Verhüllten gleich. D. W.


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