Spart euch die Weisheiten!

SCHARFGEZEICHNET ⋅
04. Februar 2018, 05:17
Ursula Wegstein

Sirenenalarm. Stromausfall. Das Radio bleibt stumm, das Internet ist lahmgelegt. Was tun gegen die quälende Ungewissheit, ob die Welt am Abgrund steht? In St. Gallen ist die Lösung einfach: Auf zu einem der smarten Briefkästen, welche die Post derzeit mit dem Bundesamt für Umweltschutz für Krisenfälle testet. Das Display informiert über den Ernst der Lage.

Nach einem langen Fussmarsch quer durch die Stadt und 30 Minuten in der langen Schlange von Informationsbedürftigen lese ich auf dem Display: «Verlassen Sie ihr Haus erst, wenn die Gefahr vorüber ist!» Und dafür habe ich mich aus der sicheren Stube gewagt? Danke, schlauer Briefkasten!

Am liebsten würde ich in dem Kasten gleich all die digitalen Schlaumeier retournieren. Die Smartwatch zum Beispiel. Oder den intelligenten Spiegel im Bad. Die smarten Gadgets sollen das Leben einfacher machen. Doch eigentlich nerven sie bloss.

Während des Trainings zeigt die Smartwatch einen Puls von 160 an. Ist das etwa Bluthochdruck? Beginnende Diabetes? Und dann ihre Kommentare: «Unproduktiv» und «Formverlust». Der Gipfel der Unverschämtheit: «Voraussichtliche Marathonzeit: 4 Stunden 38 Mi­nuten». Der vorlaute Spiegel ergänzt: «Gegen die Nasolabialfalte helfen nur regelmässige Hyaloronspritzen». Verschont mich mit euren Weisheiten, ihr Klugscheisser! Und lasst mir gefälligst meine Illusionen: Falten habe ich nicht. Und den Marathon laufe ich unter vier Stunden. Garantiert!

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@ostschweiz-am-sonntag.ch


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