Scharfgezeichnet

Sch...loch Ostschweiz

21. Januar 2018, 05:17
Kaspar Enz

Als aufrechter Lokalpatriot muss man es ja wie ein Mantra wiederholen: Die Ostschweiz ist gar nicht so schlecht. Sie ist mehr als ein paar langweilige Bauernkäffer! Sie ist ein dynamischer Wirtschaftsraum, mit Chancental, Universität, weltoffener Grenznähe. Wenn man nur lange genug zählt, ist St. Gallen gar ein Metropolitanraum! Sie haben diese Rede bestimmt schon mal gehört.

Aber sie ist natürlich Quatsch. Fake News! Die Ostschweiz hat nichts, was einen Besuch lohnt: Das Bodenseeufer ist auf der anderen Seite schöner. Alle vernünftigen Skigebiete sind südlich im Bündnerland oder östlich in Österreich. Unsere Kantonshauptstädte verdienen den Namen «Stadt» nicht.

Das Casino in St.Gallen ist ein Furz. Und auf dem Hotel dazu prangen keine Goldlettern. Das Strandbad in Güttingen ist weiss Gott kein Mar-a-Lago. Und auf dem Migros-Golfplatz in Waldkirch tummeln sich gewöhnliche Leute statt Pornostars. Liegt man morgens auf hiesigen Betten gibt’s Kaffee und Gipfeli statt Cheeseburger. Und am Fernsehen läuft eine Wiederholung von TVO statt «Fox & Friends». Und die Wanderwege sind gepflastert mit Kuhsch . . .

Ja, wir sind ein Drecksloch.Seien wir stolz, posaunen wir’s raus. Zumindest nächste Woche. Da soll Donald Trump ans WEF kommen. Nicht, dass der unterwegs vom Flughafen nach Davos noch hier irgendwo absteigt, am Ende noch vor meiner Stammbeiz. Da käme mir grad das Gipfeli hoch. Aber das tut er bestimmt nicht. Nicht in diesem «Sh..hole».

Kaspar Enz

kaspar.enz@ostschweiz-am-sonntag.ch


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