In Mörschwil haben sich alle lieb

LÜ ⋅
24. Dezember 2017, 05:19

Langzeitparkierer sind dem Urnäscher Gemeinderat ein Dorn im Auge. Um sie wenigstens schröpfen zu können, will die Gemeinde Parkgebühren einführen. Was wiederum die einheimischen Kurzparkierer verärgern könnte. Wer schon im Dorf einkauft und einkehrt, will dafür nicht auch noch gebüsst werden. Also sind die beiden ersten Stunden gratis. Wer nur einkehrt, sollte nicht vergessen, nach den zwei Stunden Münz einzuwerfen. Wegfahren darf er ohnehin nicht mehr.

Weil gerade keine dringenderen Probleme anstehen, hat sich die St. Galler Stadtverwaltung mit ihrer eigenen Namensgebung befasst. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine ganze Reihe von Ämtern und Dienststellen erhält eine neue Visitenkarte. Ob aber «Stadtgrün» statt «Gartenbauamt» wirklich besser ist? Ein paar farbige Blumen werden ja wohl stehen bleiben dürfen. Zweifellos richtig ist aber die Umbenennung der «Direktion Bau und Planung» in «Direktion Planung und Bau». Wo zuerst gebaut und dann geplant wird, darf man sich über das Ergebnis nicht wundern.

Die ehemalige Brauerei Freihof ist das hässliche Entlein zwischen den historischen Schönheiten «Ochsen» und «Adler». Bereits zweimal haben die Mörschwiler einem Abbruch zugestimmt. Aber der «Freihof» steht noch immer – Einsprachen haben seine Schleifung verhindert. Nun gibt der Gemeinderat nach und empfiehlt der Bürgerschaft, einer Sanierung halt doch zuzustimmen. Wenn das wieder in die Hosen geht und die Mörschwiler sich dennoch um jeden Preis entwickeln wollen, bleibt nur eines: Den «Adler» und den «Ochsen» abbrechen und den «Freihof» als Wohn- und Pflegezentrum nutzen. Der geplante Neubau auf der Burgerwiese ist ebenfalls seit Jahren blockiert, und jetzt ist auch noch die vorgesehene Betreiberin entnervt abgesprungen. Je tiefer der Steuerfuss, desto grösser die Uneinigkeit im Dorf.

Gelernte Hufschmiede sind rar. Dennoch darf Lehrling Felix Graf nicht an lebenden Pferden üben. Dafür müssen abgetrennte Beine aus der Pferdemetzgerei herhalten. Für angehende Fachkräfte in Manicure und Pedicure gilt diese Vorschrift noch nicht.

Das «Alte Schmalzhaus» in der Wiler Altstadt soll einen neuen Anstrich erhalten. Ist auch Zeit, nachdem die letzte Fassadenrenovation aus dem Jahr 1945 datiert. Über die Farbe allerdings liegen sich der Hausbesitzer einerseits, die Stadt und die Denkmalpflege anderseits in den Haaren. Ihr Wunschdenken liegt so weit auseinander, dass der Eigentümer das bereits aufgebaute Gerüst wieder demontieren liess. Auch gut – dann wird der Zahn der Zeit eine Farbe auswählen.

Mit dem Jakob-Züllig-Park am Saurer-Quai hat Arbon ein Schmuckstück von Park. Sein Musikpavillon ist so begehrt, dass die Nutzung eingeschränkt werden muss. Statt sechs dürfen nächstes Jahr nur noch fünf Jazzpicknicks stattfinden. Die Tango-Veranstaltungen jeden dritten Sonntag ab 18 Grad werden gar nicht mehr bewilligt. Weil zu sinnlich für eine Stadt, welcher der Kanton bei den Soziallasten unter die Arme greifen muss.

In Graubünden wird ein Portugiese gebüsst, weil er ein überfahrenes Reh als Nachtessen mitgenommen hatte. In Ausserrhoden überfahrenes Wild geht als Futter an den Walter-Zoo. In Gossau geht es den Tigern besser als im Bündnerland den Ausländern.