Laura Curau: «In meinem Job geht es ums Gewinnen und Verlieren»

MINI BÜEZ ⋅
04. Februar 2018, 05:17
Notiert: Sebastian Keller

So eine Kampagne habe ich noch nie erlebt. Weil im November ­keine nationale Abstimmung anstand, begann der Abstimmungskampf über die No-Billag-Initiative sehr früh. Für mich als Kampagnenleiterin der CVP Schweiz war speziell, dass einige schon während der Strategie- und Planungsphase Plakate sehen wollten. Das liegt wohl daran, dass dieses Thema, die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren, bewegt. Doch während eines langen Abstimmungskampfes muss man schauen, das Pulver nicht zu früh zu verschiessen.

Den Tag beginne ich mit Zeitunglesen. Was haben die Medien geschrieben? Müssen wir auf etwas reagieren? In der jetzigen «heissen Phase» bin ich dafür besorgt, dass unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter genügend Plakate und Flyer haben und Argumente für die Stammtischgespräche. Es ist eindrücklich, wie viele ihre Freizeit opfern, um für eine Sache zu kämpfen. Ab und zu verteile ich selber Flyer an Bahnhöfen. Dazu muss ich mich durchringen. Das geht wohl allen so. Es ist ein hartes Business, Leute auf der Strasse zu überzeugen.

Eigentlich wollte ich Radiojournalistin werden. Deshalb habe ich Multimedia Production studiert. Während eines Praktikums bei der CVP Schweiz habe ich gemerkt, dass sich Kommunikation und Politik verbinden lässt. Ich war schon früh an der Politik ­interessiert. Mit 18 Jahren bin ich der Jungen CVP Thurgau beigetreten. Meine ganze Familie ist orange, gehört der CVP an. Mein Vater war Gemeinderat in Weinfelden, meine Mutter präsidierte die CVP-Frauen Thurgau. Auch meine Geschwister sind politisch aktiv. Wenn ich gefragt werde, wie meine Eltern das geschafft haben, weiss ich nur eine Antwort: Wir fühlen uns wohl in ­ der Mittepartei und teilen die ­ Werte.

Seit 2015 arbeite ich fest bei der CVP Schweiz im Generalsekretariat in Bern. Bisher habe ich zehn Kampagnen geleitet. Im vergangenen Jahr die Abstimmung über die Energiestrategie 2050, die wir gewonnen haben, und die Kampagne für die Rentenreform, die wir leider verloren haben. In meinem Job geht es ums Gewinnen und Verlieren. Mir ist wichtig, dass ich nach jeder Kampagne sagen kann: Ich habe mein Bestes gegeben und wir haben gemeinsam mit den Partnern und unser Basis gekämpft und das Möglichste getan.

Als Kampagnenleiterin beschäftige ich mich gleichzeitig mit mehreren Vorlagen. «No Billag» ist jetzt überall sichtbar. Ich arbeite aber bereits an der Kampagne gegen die Vollgeld-Initiative, über die am 10. Juni abgestimmt wird. Bei Letzterer befinde ich mich in der Planungs- und Strategiephase. Ich lese mich ein, versuche, die Vorlage für unsere Mitglieder aufzubereiten. Das Ziel ist immer, dass sie jeder Wählerin, jedem Wähler auf der Strasse einfach erklären können, worum es geht, was unsere Argumente sind. Bei der Vollgeld-Initiative ist das heraufordernd, da das Anliegen sehr kompliziert ist.

Ob ich selber ein politisches Amt anstrebe? Da habe ich in Bern ­einen schweren Stand. Wir arbeiten hier daran, wieder einen Sitz im Berner Kantonsrat zurückzugewinnen. Ich schliesse es aber nicht aus, mal zu kandidieren. Meine jetzige Aufgabe ist es, unsere Leute im ganzen Land in ihrem Engagement zu unterstützen. Das macht grossen Spass.

Notiert: Sebastian Keller


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