Scharfgezeichnet

Die Trickser lauern überall

11. Februar 2018, 05:17
Janina Gehrig

Da hat sich die Schweiz ein paar Extrapunkte für den nächsten ländervergleichenden Korruptionsindex geholt. Der Postauto-Bschiss, der diese Woche publik wurde, ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Kultur des «Bschissens» sitzt tief. Auch in unserer Region. Es fängt schon bei der Kindererziehung an, wie der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker erkannt hat: Eltern mogeln ihre windeltragenden Kinder in den Kindergarten, damit andere sich die Finger schmutzig machen. Und wenn die Sprösslinge pubertieren und die Schule schwänzen, schauen sie weg oder unterstützen sie noch mit fahrlässig ins Absenzenheftchen gekritzelten Unterschriften.

Solche schlecht erzogenen Kinder enden gerne in Sonderschulen oder als delinquente Gemeindepräsidenten, die ihre Villen falsch deklarieren. So geschehen in Untereggen, wo der einstige Chef der Finanz- und Bauverwaltung «vergessen» hat, sich selbst eine Gebührenrechnung auszustellen und nun verurteilt worden ist. Zum Glück gibt es noch Gemeinden wie Rorschach, die Fehlbaren eine zweite Chance geben. Dort wirkt der Mann nämlich nach wie vor als Stadtschreiber.

Der Grundsatz «Trau niemandem» gilt jedoch selbst für die ehrenwertesten Mitglieder unserer Gesellschaft. So hat der ehemalige Gefängnisseelsorger einer Berner Strafanstalt der Polizei geflüstert, was ihm ein Ex-Häftling im Namen Gottes anvertraut hatte. Jetzt ist der Pfarrer selber in Ungnade gefallen und vorbestraft. Wenn Sie also beim nächsten Mal mit der Steuererklärung tricksen oder im Postauto schwarzfahren, beichten Sie es ja nicht Ihrem Pfarrer!

Janina Gehrig

janina.gehrig@ostschweiz-am-sonntag.ch


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