Das Spusi-Monster

«TATORT» ⋅
14. Januar 2018, 05:17

Ein an die Wand genagelter Toter schockt die Interessenten einer Wohnungsbesichtigung. Der Mörder, ein weiss bekitteltes Spusi-Monster, das den weissen Anzug der Spurensicherung trägt, sobald es zur Tat schreitet, hat eine Vorliebe für theatralische Opferinszenierungen. Anal oder vaginal penetriert und mit christlich-orthodoxer Symbolik aufgeladen, platziert der Täter seine Opfer am liebsten an Orten, wo es vor DNA-Spuren nur so wimmelt: in öffentlichen WC-Anlagen, auf Messeschiffen oder eben in Wohnungen mit Besichtigungstermin.

Die Wiener Bibi Fellner und Moritz Eisner zeigen sich vom Motiv-Brimborium des Täters wenig beeindruckt. Ungewohnt zielstrebig gehen die zwei ran an den Fall – ein internes Bewerbungsgerangel um einen neuen Chefposten sorgt dafür, dass man sich vor übermotivierten Kollegen keine Blösse gibt. Das hat den Vorteil, dass man als «Tatort»-Zuschauer seit langem wieder mal das irre, weil selten erlebte Gefühl hat, Zeuge einer ernsthaften Ermittlung zu sein.

Schon bald enthüllen Bibi und Moritz in launiger Routinearbeit: Alle drei Opfer waren Mitglieder von Bürgerrechts­bewegungen aus Serbien, Georgien und der Ukraine. Alle wurden von der serbischen Organisation Otpor! (deutsch: die Faust) in zivilem Ungehorsam ausgebildet.

Regisseur Christopher Schier und Drehbuchautor Mischa Zickler liefern in ihrem packenden Wiener «Tatort» für die Theorien, dass die Orangene Revolution der Ukraine sowie die Rosenrevolution Georgiens teilweise von CIA-Agenten gesteuert worden sind, die fiktiven Beweise.

Julia Stephan

Hinweis

«Tatort» aus Wien: «Die Faust». Heute, 20.05 Uhr, SRF 1.


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