CVP-Politiker abzugeben

SCHARFGEZEICHNET ⋅
17. Dezember 2017, 05:16

Wenn das mal keine schöne Weihnachtsgeschichte ist! Da schreibt das kleine Thurgauer Dorf Wilen einen Brief an die anderen Gemeinden im Kanton und bietet ihnen an, einen Teil ihrer Asylsuchenden aufzunehmen. Nach kurzer Zeit erhält die Gemeinde frohe Botschaft aus dem Bezirk Frauenfeld: Thundorf würde gerne die ihm zugeteilten Flüchtlinge in Wilen unterbringen.

Wilen zeigt damit Herz. In erster Linie zwar für die eigenen Steuerzahler, denn die 250000 Franken für die Anschaffung neuer Wohncontainer kann die Gemeinde nur vom Kanton zurückholen, wenn sie darin genügend Flüchtlinge unterbringt. Aber wann ist Nächstenliebe schon völlig uneigennützig?

Die Aktion könnte für Wilen allerdings noch ungeahnte Folgen haben. Bereits soll sich die Nagra beim Gemeinderat gemeldet haben, ob er sich nicht für die Lagerung von Atommüll im Dorf erwärmen könne. Der sei andernorts nämlich so wenig erwünscht wie Asylsuchende in Oberwil-Lieli. Auch von der CVP soll ein Brief ins Gemeindehaus geflattert sein. Man habe da noch einen Nationalrat abzugeben, der im Bundeshaus derzeit nicht so recht willkommen sei. Ein pflegeleichter Walliser sei er, man müsse nur darauf achten, dass er nicht mit Alkohol und Frauen in Kontakt komme.

Tobias Hänni tobias.haenni@ostschweiz-am-sonntag.ch