Unkommod

Billag – die Demokratie-Gebühr

28. Januar 2018, 05:16

Für viele machen die 450 Franken «Autsch!», wenn sie die jährliche Billag-Rechnung bezahlen müssen. Auf den ersten Blick stören mich diese Gebühren auch, zumal ich keinen Fernseher besitze und nicht verstehe, warum die Radionachrichten dauernd über Trump und seine grotesken Twitter-Blasen berichten. Wenn es aber um die No-Billag-Abstimmung vom 4. März geht, muss man von persönlichen Frustrationen über Sendeinhalte abstrahieren. Reklamationen über die SRG sind in Online-­Foren, bei der Beschwerdestelle oder beim Presserat zu deponieren und nicht im Stimmlokal.

Dass viele Leute Mühe haben mit der Billag-Gebühr rührt auch daher, dass uns permanent Gratisnews auf dem iPhone anstupsen. Warum also soll man überhaupt noch für Medienprodukte bezahlen? Früher herrschte das andere Extrem: Als Kind durfte ich im Wohnzimmer nur flüstern, wenn «Rendez-vous am Mittag» und «Echo der Zeit» ausgestrahlt wurden. Nachrichten der SRG hatten den Stellenwert von Sonntagspredigten. Die No-Billag-Debatte erinnert mich stark an Diskussionen mit meinem Vater vor der Armee-Abschaffungs-Abstimmung anno 1989. Obwohl er Oberst war, stimmte er nicht darum für den Verbleib der Armee, weil er sie besonders toll fand. Er argumentierte jeweils: ­ «Im Moment stehen mit dem Ende des Kalten Krieges alle Signale auf Frieden. Man könnte die Armee theoretisch abschaffen. Aber im Fall einer Krise bräuchte es ein Jahrzehnt, um eine neue Armee aufzubauen.» Diese Tat­sache trifft auch für einen öffentlichen TV- und Radiosender zu. Wenn ich also die Billag-Gebühr weiterhin brav bezahle, so finanziere ich damit nicht einzelne Sendungen, sondern unterstütze primär gesellschaftliche Werte wie Freiheit und Demokratie. Die SRG nimmt einen nationalen Informations-, Bildungs- und Kulturauftrag wahr, der in politisch ruhigen und friedvollen Zeiten leider völlig unterschätzt wird. Demokratisch tickende Bürger erkennen jedoch auch in ruhigen Zeiten den Wert von möglichst vielfältigen, ausgewogenen und politisch unabhängigen Informationen und zahlen darum lieber Gebühren für öffentliche Sender, die nerven, als für private Sender, die nur eine einzige Meinung zulassen.

Die No-Billag-Initiative ist auch ein Schlag gegen die Solidarität mit den kulturellen Minderheiten in der Schweiz. Die Redaktionen in der italienischen und in der rätoromanischen Schweiz erhalten pro Bewohner 5- bis 6-mal so viel Billag-Gebühren wie die Redaktionen der deutschsprachigen Schweiz. Die Billag-Gebühr ist darum ein Beitrag für den nationalen Zusammenhalt und für die kulturellen Minderheiten. Schliesslich ermöglicht die SRG Künstlern und Kulturinstitutionen, dass sie ihre Talente landesweit und über die Grenzen hinaus zum Besten geben. Von der Volksmusik über das Kabarett bis zum Spielfilm hat die SRG zahllosen Talenten zum Erfolg verholfen und so das positive Image der Schweiz im Ausland gestärkt. Ohne SRG wären Emil und DJ Bobo, Hazel Brugger und Mike Müller nicht über Luzern, Zürich und Olten hinaus bekannt geworden. Diese Chance sollen Schweizer Künstler auch künftig haben.

Lukas Niederberger


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