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Lohngleichheit schaffen – und zwar subito!

12. Juni 2017, 05:17
Vania Alleva

Seit Januar läuft sie wieder, die Lohnstrukturerhebung. Mit dieser Befragung von rund 35000 zufällig ausgewählten Unternehmen zeichnet das Bundesamt für Statistik alle zwei Jahre ein präzises Bild der Schweizer Löhne. Ein Ergebnis lässt sich leider bereits jetzt vorwegnehmen: Der Skandal der Lohndiskriminierung geht weiter. In der Schweiz verdienen Frauen für gleiche Arbeit immer noch beträchtlich weniger als ihre Kollegen. In der Privatwirtschaft beispielsweise liegt ihr Medianlohn fast Tausend Franken unter dem der Männer. Nur ein Teil dieser Differenz kann mit objektiven Kriterien wie Ausbildung, Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Funktion erklärt werden. Für 40 Prozent dieses Lohnrückstandes (395 Franken im Monat) gibt es nur eine Erklärung: Diskriminierung.

Das Ausmass dieser Lohndiskriminierung verharrt seit Jahren auf demselben Niveau, obwohl jüngere Frauen immer besser ausgebildet sind. Denn während die Löhne der Männer zwischen 30 und 65 Jahren kontinuierlich steigen, erhalten Frauen in diesem Lebensabschnitt viel bescheidenere Lohnerhöhungen. Noch immer ist es also keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen und Männer gleich viel für die gleiche Arbeit verdienen. Noch immer sparen Unternehmen und Arbeitgeber Milliarden auf Kosten der Frauen. Noch immer sind es die Frauen, die den Grossteil der Familienarbeit und Kinderbetreuung übernehmen und dabei auf Einkommen verzichten. Noch immer werden die Frauen um einen guten Teil ihres Lohnes – und damit auch um eine anständige Altersrente – geprellt. All das zeigt: Die bestehenden Gesetze reichen nicht aus. Die Lohngleichheit ist zwar seit 1981 in der Verfassung verankert, und seit 1996 fordert das Gleichstellungsgesetz gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. In der Praxis hat sich aber kaum etwas verändert.

Die Beteuerungen der Arbeitgeber, dafür zu sorgen, dass die Lohngleichheit in ihren Unternehmen eingehalten wird, sind nichts als leere Versprechen.Das System der freiwilligen Selbstkontrolle hat versagt. Auch der neueste Nachbesserungsvorschlag des Bundesrats ist zahnlos. Eine Pflicht zur regelmässigen Lohnüberprüfung ist sinnvoll – ohne Sanktionsandrohungen nützt sie aber nichts. Umso skandalöser ist, dass der Arbeitgeberverband auch gegen diese unverbindliche Massnahme bereits wieder Fundamentalwiderstand angekündigt hat.

Für uns Gewerkschaften hingegen ist klar: Es braucht jetzt endlich griffige Massnahmen, um diesen Verfassungsbruch zu beenden. Der Druck auf die Arbeitgeber muss erhöht werden – auf allen Ebenen. Wir werden auf kantonaler Ebene aktiv werden und politische Schritte ergreifen zur Durchsetzung der Lohngleichheit. Und der Schweizerische Gewerkschaftsbund prüft mit der nationalen Subito-Initiative ein Projekt, das nicht einzig die Lohngleichheit fordert, sondern in der Verfassung grundsätzlich die Gleichstellung von Frauen und Männern im Erwerbsleben stärken soll. Wir sind überzeugt, nur so können wir den Skandal der Lohndiskriminierung beenden und dafür sorgen, dass die Frauen erhalten, was ihnen zusteht.


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