ZUR SACHE

Kunst ist, was uns berührt

03. März 2015, 02:36
Philipp Landmark

Mürrisch schüttelte der Betrachter den Kopf: «Kunst ist wohl, wenn man es glaubt. Und zahlt.» Vor ihm hing rund ein Quadratmeter weiss – nur weiss – getünchte Leinwand. Ein Werk von Robert Ryman. Bezahlt wird dafür von Sammlern und Museen in der Regel ein zweistelliger Millionenbetrag.

In dieser Liga spielen die St. Galler Zwillinge Frank und Patrik Riklin (noch) nicht mit. Aber Kopfschütteln – das haben auch sie schon ausgelöst. Vor allem aber: Es ist fast nicht möglich, dass jemand, konfrontiert mit den schrägen Einfällen des Ateliers für Sonderaufgaben, nicht reagiert. Schmunzeln, schimpfen, nachdenken über Happenings, die kaum je «sinnvoll» im Sinn des Wortes sind; Ideen, die man nicht vermisst hätte, wären sie nicht von den beiden lausbübischen Künstlern in die Welt gesetzt worden.

Oder beigesetzt. Die Stubenfliege Erika, die gestern gross inszeniert an der HSG eine letzte Ruhestätte fand, ist nun Teil der – anerkannten – Kunstsammlung der Universität. Und mehr als nur eine Blödelei: Erika erinnert daran, dass die Riklins einen Insektizid-Hersteller dazu brachten, mit ökologischen Ausgleichsflächen Insekten zu retten. Die Aktion «Fliegen retten in Deppendorf» ist seither ein Symbol dafür, dass «Querdenken» nicht nur ein nettes Schlagwort in Powerpoint-Präsentationen sein muss, sondern tatsächlich zu nachhaltigen Lösungen führen kann.

Selbstverständlich führt nicht jede absurde Idee von Künstlern gleich zu rentablen Innovationen in der Wirtschaft. Doch der Dialog kann bereichernd sein – und Spass machen. Und das ist gut so: Kunst meint nicht, ein Bild zu finden, das zum Sofa passt. Kunst ist, was uns nicht kalt lässt.

philipp.landmark@tagblatt.ch

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