FUNDSACHE

Frauen – mehr Mut zur Führung

27. Juni 2011, 12:03

«Führung gehört denen, die sie übernehmen. Und dazu müssen endlich auch die Frauen bereit sein.» Diesen Appell richtete die Operating-Chefin von Facebook, Cheryl Sandberg, an die Absolventinnen des Barnard College in New York, an dem ausschliesslich Frauen studieren. Wir dokumentieren ihre Rede in einigen Auszügen.

Die Frauen meiner Generation haben es nicht geschafft: Gleichberechtigung ist jetzt Ihre Sache, liebe Absolventinnen. In Amerika sind wir vor dem Gesetz gleich. Aber das Versprechen von Gleichheit bedeutet nicht schon Gleichberechtigung, Männer regieren die Welt. Von 190 Staatschefs sind neun Frauen. Bei den Spitzenjobs in amerikanischen Unternehmen sind 15 Prozent Frauen.

Sie sind das Versprechen einer gleichberechtigten Welt. Sie sind unsere Hoffnung. Ich glaube wirklich, dass wir das moralische Kernproblem dieser Generation, die Gleichberechtigung der Geschlechter, anfangen zu lösen, wenn wir eine reale Gleichberechtigung in unseren Regierungen, in der Geschäftswelt, in unseren Unternehmen und an unseren Universitäten haben. Wir brauchen Frauen auf allen Ebenen, inklusive der Spitze, um die Dynamik zu verändern, die Gespräche umzugestalten, um sicherzustellen, dass die Stimme der Frauen gehört und beachtet wird.

Ohne Ehrgeiz geht es nicht

Welchen Ratschlag kann ich Ihnen nun geben, dieses Ziel zu erreichen? Das erste ist, Sie zu ermutigen, sich hohe Ziele zu stecken. Think big! Studien zeigen deutlich, dass in unserem Land unter den College-Absolventen die Männer ehrgeiziger sind als die Frauen. Sie sind ehrgeiziger am Tag ihres Abschlusses, sie bleiben ehrgeiziger bei jedem Schritt ihrer Karriereleiter. Wir werden nie den Unterschied beim Ergebnis beseitigen können, wenn wir nicht den Unterschied beim Ehrgeiz beseitigen. Aber wenn alle jungen Frauen anfangen, sich darum zu kümmern, können wir den Unterschied hier und jetzt beenden. Führung gehört denen, die sie übernehmen. Führung beginnt mit Ihnen.

Glaube an sich selbst

Der nächste Schritt: Sie müssen mehr an sich selber glauben, als Sie es heute tun. Studien zeigen ebenfalls, dass Frauen ihre Leistung im Vergleich zu Männern unterbewerten. Fragen Sie eine Frau, warum sie etwas gut gemacht hat, und sie wird antworten: «Ich hatte Glück. All diese Menschen haben mir geholfen. Ich habe wirklich schwer gearbeitet.» Fragen Sie einen Mann, und er wird sagen oder denken: «Was für eine blöde Frage. Ich bin eben einfach gut!» Frauen sollten sich davon eine Scheibe abschneiden und sich ihren Erfolg selbst zuschreiben. Das ist leichter gesagt als getan. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Nicht nur ab und zu, sondern meistens, würde ich sagen, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich mir meinen Erfolg selbst zuzuschreiben hätte. Ich ging aufs College und dachte daran, wie sehr mir meine Eltern bei meinen Essays geholfen haben. Ich kam zum Finanzministerium, weil ich Glück hatte, im richtigen Seminar beim richtigen Professor zu sein, der mich ins Finanzministerium brachte. Google – ich ging an Bord eines Raketenschiffes, das mich wie alle anderen nach oben beförderte. Bis heute habe ich solche Momente, öfter, als Sie denken. Ich weiss, ich muss Korrekturen vornehmen. Ich weiss, ich muss an mich selbst glauben und meine Hand heben, weil ich neben einem Kerl sitze, der sich für toll hält. Ich meine damit nicht, dass Sie überheblich sein sollen. Keiner mag das an einer Frau oder an einem Mann. Aber ich schlage Ihnen vor, dass der Glaube an sich selbst der erste notwendige Schritt ist, um dem Ausschöpfen Ihres Potenzials nahezukommen. (…)

Und was ist mit dem gnadenlosen Konkurrenzkampf? Ist er das Ganze wert? Nur Sie können das entscheiden, und Sie müssen es immer wieder entscheiden. Aber wenn Sie denken, es ist ein gnadenloser Konkurrenzkampf, dann atmen Sie erst einmal tief durch, bevor Sie aussteigen. Vielleicht haben Sie den falschen Job gewählt. Versuchen Sie es noch einmal. Und wieder. Bis Sie etwas gefunden haben, das Ihre Leidenschaft entfacht, einen Job, der Sie etwas angeht und der wichtig für andere ist. Es ist der ultimative Luxus, die eigene Leidenschaft mit dem Beitrag für andere verbinden zu können. Und ein Weg zum Glück. (…)


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