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Tagblatt Online, 31. Juli 2009 08:50:00

Spielend Schweizer werden

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Sind Sie ein guter Schweizer? Mit «Helvetiq» finden Sie es heraus. (Bild: Bild: pd)

SCHWEIZ. Pünktlich auf den 1. August bringen drei junge Westschweizer ein Spiel heraus, das Schweizern und solchen, die es werden wollen, die Nation näherbringt.

Katja Fischer

Morgen ist 1. August. Zeit, das Land zu feiern. Doch wie alt wird die Schweiz dieses Jahr eigentlich? Und wann was passierte schon wieder bei der «Riesenschlacht» von Marignano? Der Nationalstolz reicht bei den meisten Schweizern zwar für ein rot-weisses Fähnchen im Geraniumkistchen und zum Singen der ersten Strophe der Nationalhymne, aber eher selten für echtes Geschichtsbewusstsein und Kenntnis über die eigene Nation.

Büffeln für den Pass

Zumindest bei jenen Bürgern, die den Pass mit dem Kreuz per Geburt zugestellt bekamen. Aber wehe dem, der ein Schweizer werden will. Da ist Büffeln angesagt. Das musste auch Hadi Barkat feststellen, als der gebürtige Algerier vor drei Jahren in Lausanne einen Antrag auf die Schweizer Staatsbürgerschaft stellte. Gewundert hat er sich aber weniger über den grossen Pflichtstoff (Kultur, Politik, Geschichte, Geographie) als darüber, dass es keine vernünftige Unterlagen gab, um sich auf den Test vorzubereiten.

Den Schweizer Pass hat der heute 31-Jährige längst bekommen und eine gute Idee dazu: Der Ingenieur beschloss ein Schweizer-Einbürgerungsspiel zu entwickeln. Immerhin würden sich jährlich zehntausend Ausländerinnen und Ausländer auf den Einbürgerungstest vorbereiten. Da sei es doch angebracht, diesen Menschen eine spielerische Möglichkeit anzubieten, um sich mit ihrer neuen Heimat auseinanderzusetzen, findet Barkat.

Bevor der Bundesrat voll ist

Zusammen mit zwei Studienkollegen von der ETH Lausanne entwickelte er «Helvetiq». Eine Art «Trivial Pursuit» für angehende Schweizerinnen und Schweizer und auch für solche, die es schon lange sind.

In Form eines Alpaufzugs besteigen die Spieler einen Berg. Um vorwärts zu kommen und einige Schikanen zu überwinden müssen sie Fragen zur Schweizer Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport beantworten.

Zum Beispiel: Welcher Schweizer Architekt hat das Museum of Modern Art in San Francisco entworfen? Antwort: Mario Botta. Etwas versiertere Spieler können sich dann an den «politischen Wettbewerb» wagen. Bei diesem zweiten in der «Helvetiq»-Box enthaltenen Spiel geht es darum, durch geschicktes Taktieren an die Spitze der politischen Punkte-Leiter zu gelangen – bevor der Bundesrat vollzählig oder die Zeit abgelaufen ist.

Erste Auflage sofort weg

Ende 2008 brachten die jungen Westschweizer in Zusammenarbeit mit dem Spielverlag Gamework eine erste französische Version von «Helvetiq» heraus – mit schlagendem Erfolg. Die 3500 Ausgaben der ersten Auflage waren innerhalb eines Monates alle vergriffen. Gemeinden wie Freiburg oder Vevey setzen das Spiel seither bei der Integrationsarbeit ein. Das Rote Kreuz und Caritas meldeten ebenfalls Interesse am Spiel an. «Bei Lehrern ist es beliebt, um den Staatskundeunterricht aufzulockern», sagt Barkat.

Ganz dem föderalistischen System verpflichtet, gibt es «Helvetiq» auch bereits in regional leicht angepassten Versionen.

Pünktlich auf den Nationalfeiertag ist das Spiel nun auch in Deutsch und Englisch erhältlich, weitere Sprachen sind geplant. Nun wird sich zeigen, ob sich auch die Deutschschweizer vom «Schweizermacher-Spiel» begeistern lassen.

Übrigens: Wirklich gestolpert ist Barkat bei seinem Einbürgerungstest über eine Frage, die in seinem Spiel nicht vorkommt: Man wollte von ihm wissen, ob er es normal finde, dass das Schweizer Tennis-As Roger Federer so viel Geld verdiene.

«Helvetiq», ab 8 Jahren, für 2–4 Spieler, 70 Franken, erhältlich in Fachgeschäften und unter www.helvetiq.ch




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